Gasthof Jäger, Sirmiano / Nalles

Die Straße, die hinauf nach Nalles führt, ist nicht unbedingt dazu angetan, abends gefahren zu werden. Schon tagsüber hofft man, dass einem in den engen Serpentinen kein Bus entgegen kommt. Und auch nach Nalles ist das Ziel noch nicht erreicht, sondern es schlängelt sich weiter den Berg hinauf, bis irgendwann tatsächlich auf der linken Seite ein zunächst recht unscheinbarer Gasthof auftaucht.

Außenansicht
Außenansicht

Bei schönem Wetter ist der Garten mit zahlreichen Holzbänken ausgestattet, am Haus überdacht ebenfalls zahlreiche Tische und im Haus, das auch einige Zimmer für Übernachtungsgäste bereit hält, verschiedene Räumlichkeiten. Zentrum allerdings ist das Hauptrestaurant, das angenehm modern rustikal einen Rundumblick auf die Berge und das tief unten liegende Tal bietet.

Innenansicht
Innenansicht

So abgelegen die Lage auch ist, ist dies doch ein Gasthaus im besten Sinne, das auch Wanderern Brotzeiten und Kaffee und Kuchen bietet. Aber offenbar zieht die Küche von Guntmar Öttl auch gezielt Gäste an, denn an diesem Samstag Mittag ist das Restaurant zwar nicht voll, aber gut besucht.

Brot
Brot

Und was die Karte dann bietet, ist so anders, als man es hier oben erwarten würde. Regional und doch weltläufig, kreativ und doch ganz mit Bodenhaftung. Das liest sich anspruchsvoll und dennoch ganz leicht zugänglich.

Wir starten mit einem frisch geschnittenen Tatar vom einheimischen Rind, das schon optisch sehr gefällig auf einer würzigen Schnittlauchcreme und mit einem kleinen Salat angerichtet kommt, dazu einige eingelegte Pfifferlinge. Das Tatar selbst ist recht mild abgeschmeckt, aber dem kann man ja abhelfen. Dafür ist das Zwiebel-Speck-Focaccia ausgesprochen würzig und lecker.

Tatar vom einheimischen Rind / Zwiebel-Speck-Focaccia, eingelegte Pfifferlinge, Schnittlauchcreme
Tatar vom einheimischen Rind / Zwiebel-Speck-Focaccia, eingelegte Pfifferlinge, Schnittlauchcreme

Ich entscheide mich für das Oktopuscarpaccio mit gebackener Kalbskopfpraline. Auch hier gibt es einen kleinen, sehr gut abgeschmeckten Salat sowie ganz feine Brotcroutons für die Textur. Dazu noch eine feine, etwas Mayonnaise-artige Tonnatocreme, Kapern und Oliven, die das Ganze perfekt abrunden. Ein tolles, handwerklich ausgezeichnetes Gericht. Eindeutiger Punktsieg bei diesem Gang für mich.

Oktopuscarpaccio, gebackene Kalbskopfpraline, Tonnatocreme, Kapern, Schwarzbrotcroutons
Oktopuscarpaccio, gebackene Kalbskopfpraline, Tonnatocreme, Kapern, Schwarzbrotcroutons

Bei den Secondi ist die Küche so nett, uns kleinere Portionen zu bereiten, und auch die sind vom Allerfeinsten. Besonders schön anzusehen bereits die Tortelli vom Schüttelbrot, wobei die sich eher als Minicroutons und Brösel über dem Gericht befinden. Die Füllung ist eine cremige Almkäsefonduta, dazu eine nicht nur optisch reizvolle Spinatcreme. Zusammen mit dem pikanten Schüttelbrot wird hieraus eine komplexe Köstlichkeit, die zweifellos ganz stark in der Region verwurzelt ist, in der Ausführung so aber auch in jedem Sternerestaurant Bestand haben könnte. Dass die Küche eine Vorliebe für das Garnieren mit Borretschblüten hat, kann man fast als Markenzeichen verbuchen. In jedem Fall geht diesmal der Punkt an den gegenüberliegenden Teller.

Schüttelbrot-Tortelli, Almkäsefonduta, Spinatcreme, Weißweinschaum
Schüttelbrot-Tortelli, Almkäsefonduta, Spinatcreme, Weißweinschaum

Aber auch ich will mich nicht beschweren, wenngleich mein Pastagang deutlich deftiger ausfällt. Petersilientagliatelle und Hirschragout aus feinsten Würfeln und einem herzhaften Schmorfond gehen eine harmonische Liaison ein, denen etwas Crème fraîche, Pilze und Schnittlauch die nötige Abrundung geben.

Petersilientagliatelle, Hirschragout
Petersilientagliatelle, Hirschragout

Bei den Hauptgängen beweist die Küche erneut das hohe handwerkliche Niveau der vorherigen Gerichte. Der Hirschrücken ist perfekt rosa gegart, die Nusskruste perfekt. Dazu ein Rote Bete-Püree und diverse bunte Bete sowie ein Cannolo mit Steinpilz-Kartoffel-Füllung in Perfektion. Das ist fabelhaft und anspruchsvoll gemacht und schmecken tut es selbstverständlich auch.

Hirschrücken, Haselnuss-Pfefferkruste, Bunte Bete, Steinpilzkartoffelcannolo
Hirschrücken, Haselnuss-Pfefferkruste, Bunte Bete, Steinpilzkartoffelcannolo

Auch mein Hauptgang kann voll überzeugen. Dreierlei vom Kalb, in diesem Fall saftiger und rosafarbener Rücken, butterzart geschmorte Bäckchen und gebackenes Bries. Das alleine hätte mich schon begeistert. Aber natürlich gibt sich die Küche auch hier nicht damit zufrieden. Dreierlei Ofenkarotte, in gelb, lila und orange sowie ein fabelhaft samtiges Selleriepüree und über allem schwarzer Trüffel ergeben ein wunderbar rundes Gericht.

Kalb: Rücken - Bäckchen - Bries, Ofenkarotte, Selleriecreme, schwarzer Trüffel
Kalb: Rücken - Bäckchen - Bries, Ofenkarotte, Selleriecreme, schwarzer Trüffel

Obwohl der Sättigungsgrad mehr als erreicht ist, sind wir neugierig, ob die Küche auch bei den Desserts das Niveau halten kann. Aber das ist eigentlich nur eine rhetorische Überlegung, denn natürlich überzeugen auch die Süßspeisen.

Der mehrschichtige Savarin, das fabelhafte Birneneis, Birnencreme und Mandelkekse sind nicht nur optisch schön anzusehen, sondern erfüllen auch geschmacklich alle Erwartungen an ein abwechslungsreiches, harmonisches Dessert.

Birne, Dulcey Schokolade, Mandel
Birne, Dulcey Schokolade, Mandel

Auch meine Variation von Zwetschge und Schokolade steht dem nichts nach. In vier verschiedenen Gefäßen gibt es Eis, Cremes, Mousse, Kompott und Crème Brûlée, wahlweise von Zwetschge oder Schokolade, aber immer in Kombination. Gekonnt und gut.

Variation Zwetschge, Schokolade
Variation Zwetschge, Schokolade

Vollends gestopft und genudelt, aber überrascht und begeistert, geht unser Mittagessen zu Ende. Wir hatten Gutes von diesem Gasthaus gehört, aber dass es so gut werden würde, überstieg unsere Erwartungen bei weitem. Guntmar Öttl beherrscht die Gratwanderung zwischen rustikaler Regionalität, Eleganz und anspruchsvoller Küche ganz selbstverständlich. Qualitativ ist das hier eindeutig auf Sterneniveau und wenn das Gasthof-Küche sein soll, dann ist das ab jetzt für mich der Maßstab.

Das gilt auch für den ungemein herzlichen Service der Familie Öttl, der schon bei der Reservierung beginnt und sich dann vor Ort fortsetzt. Dies ist ein Haus zum Wohlfühlen. Und beim nächsten Besuch oben auf dem Berg sollte man sich ernsthaft überlegen, ein Zimmer zu nehmen. Ruhig ist es hier allemal und ich würde wetten, dass auch das Frühstück meine Erwartungen mehr als erfüllt.

Kaum anzunehmen, dass hier oben auf dem Berg nicht alles top ist.

Details

Restaurant: Gasthof Jäger
Adresse: Via Apollonia 5, 39010 Sirmiano Nalles
Öffnungszeiten: Mittwoch - Montag 12.00 - 14.30 und 17.30 - 21.00 Uhr
Dienstag Ruhetag
Website: www.gasthof-jaeger.com

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