Eskemm, Quimper

Im ältesten Gebäude nicht nur von Quimper, sondern der Region Finistère überhaupt, findet sich das nächste Restaurant unseres Aufenthaltes in der charmanten bretonischen Stadt. Während die Küche, in der Thibault Monnerie alleine wirkt, im Eingangsbereich liegt, befindet sich der stilvoll renovierte Gastraum eine Etage höher. Für den Service, den Camille Favain ebenfalls alleine bestreitet, bedeutet dies eine durchaus sportliche Leistung. Zumindest beim Auftragen einiger Gänge geht Ihr Thibault Monnerie dann aber doch zur Hand.

Mittags gibt es ein Zwei- oder Dreigang-Menü zu 24€ bzw. 28€, abends werden zwei Menüs angeboten. Ein Zwei- oder Dreigang-Menü mit Wahlmöglichkeit zu 38€ bzw. 48€ und ein Sechsgang-Überraschungsmenü zu 75€, für das wir uns entscheiden.

Als Amuse Bouche gibt es eine Creme vom Butternut-Kürbis, der hier mit kandierter Aprikose, gerösteten Nüssen und rosa Pfeffer ordentlich aufgepeppt wurde. Kürbis kann ja häufig ziemlich langweilig sein, aber hier ist er sehr aromatisch abgeschmeckt und überraschend gut.

Amuse Bouche
Amuse Bouche

Das Menü startet mit einem Gericht libanesischen Ursprungs, einem Tarator, einer Creme von salzigen Mandeln mit Gurke und Gurkensorbet mit kandierter Zitrone. Auch wenn dies nicht sonderlich komplex ist, zeigt es einen feinen Kontrast aus Frische und Fülligkeit mit Zitrusakzenten.

Mandel Tarator / Gurkensorbet / Basilikum / gebrannte Mandel
Mandel Tarator / Gurkensorbet / Basilikum / gebrannte Mandel

Warm geht es weiter mit Würfelchen vom Filet Mignon und Croutons unter einem luftigen Kartoffelschaum. Öl von geräucherter Paprika bringt eine merkliche Rauchnote in dieses angenehm reduzierte und süffige Gericht.

Filet Mignon / Kartoffelemulsion / Geräucherte Paprika
Filet Mignon / Kartoffelemulsion / Geräucherte Paprika

Aromatisch noch kräftiger wird es mit dem folgenden Gang, in dem gebratener Oktopus die Hauptrolle spielt. Der ist zart, aber angenehm bissfest und ruht auf einem Paprikapüree. Mediterran abgerundet wird das mit konfierten Kirschtomaten und Parmesan. Angegossen wird dann noch eine Jus von der sehr konzentrierten Pulpobrühe. Das ist deutlich pikanter, wobei das Püree aber auch etwas Süße ins Spiel bringt. Sehr gelungen.

Pulpo / Paprikapüree / Tomate / Parmesan
Pulpo / Paprikapüree / Tomate / Parmesan

Im Hauptgang gibt es nun Schweinebauch, der lange geschmort und dann knusprig gebraten wurde. Das wunderbar zarte Fleisch ist hier nur begleitet von einem Karotten-Ingwer-Püree, konfierter Karotte und einer Kokosmilch-Curry-Sauce. Das ist sowohl herzhaft als auch gleichzeitig fein mit schöner Würze und einer klaren Konzentration auf das Fleisch als Hauptprodukt.

Schweinebauch / Karotten-Ingwer-Püree / Kokosmilch-Curry-Sauce
Schweinebauch / Karotten-Ingwer-Püree / Kokosmilch-Curry-Sauce

Im ersten Dessert präsentiert Thibault Monnerie ein Eis von Ziegenfrischkäse mit Erdbeer-Chutney und Nüssen. Die Süße der Erdbeere funktioniert hier ausgezeichnet mit dem dezent herben Touch des Eises. Erneut ist das angenehm reduziert und sehr durchdacht. Gefällt mir sehr.

Ziegenfrischkäse / Erdbeere / Walnuss
Ziegenfrischkäse / Erdbeere / Walnuss

Das Menü beschließt ein sehr cremiges Eis von Rosmarin, der zwar nur dezent zu schmecken ist, das ich aber dennoch ganz ausgezeichnet finde. Die Feigen dazu sind sehr reif und saftig und passen natürlich perfekt. Und mit dem Buchweizencrumble gibt es nicht nur eine sehr typisch bretonische Zutat, sondern auch noch etwas zum Knuspern dazu. In Summe ein sehr ausgewogener und schöner Abschluss.

Gebratene Feige / Rosmarincremeeis / Buchweizen-Crumble
Gebratene Feige / Rosmarincremeeis / Buchweizen-Crumble

Dass bei einer Küche, die nur von einer Person betrieben wird, relativ viele gut vorzubereitende Komponenten wie Cremes und Pürees mit im Spiel sind, ist nachvollziehbar, wenngleich im Menü dann doch auch etwas arg repetitiv. Aber dennoch ist das, was Thibault Monnerie hier als Einzelkämpfer aus der Küche schickt, aller Ehren wert.

Verglichen mit dem Menü am Vorabend im „Éclosion“, das ebenso wie das „Eskemm“ im Gault Millau mit 13 Punkten ausgezeichnet ist, sind die Teller hier deutlich aufgeräumter und angenehm reduziert. Anstelle einer großen Leistungsschau, was diverse Texturen angeht, sind die Gerichte hier für meinen Geschmack klarer konzipiert, was dem Genuss auch mehrerer Gänge zugute kommt.

Camille Favain schafft es, auch bei nahezu ausgebuchtem Haus keine Wartezeiten aufkommen zu lassen. Charmant hat sie alle Tische gut im Blick und da Quimper eine typische Touristenstadt ist, kommt man hier, wie übrigens auch in allen anderen Häusern, die wir besucht haben, mit englisch gut über die Runden, wenn es mit den französischen Restkenntnissen mal wieder hapert.

Als wir den Weg ins Hotel antreten, durchqueren wir die Rue du Salé und den Place au Beurre, wo sich eine Crèperie an die nächste reiht. Die meisten sind bereits geschlossen, aber der Duft von Butter und Teig liegt noch in der Luft. Unser Essen war heute für uns dennoch die bessere Wahl.

Details

Restaurant: Eskemm
Adresse: 14 Rue Treuz, 29000 Quimper
Öffnungszeiten: Mittwoch - Samstag: 12.00 - 13.30 Uhr und 19.30 - 21.00 Uhr
Sonntag: 12.00 - 13.30 Uhr
Montag + Dienstag: Ruhetag
Website: www.eskemmrestaurant.fr

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Kommentare

  1. Carsten am 3. Januar, 2026 um 20:48 Uhr.

    Danke für den Tipp. Jetzt habe ich in Quimper ein neues Restaurant kennen gelernt. 🙂

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