Little Georgette, Reims

Recht regelmäßig planen wir zum Auffüllen unserer Bestände einen Trip in die Champagne. Immer wieder eine schöne Aufgabe, erst recht wenn man dann kleine, eher unbekannte Häuser besucht, wo sich mitunter schöne Entdeckungen machen lassen – und preislich ist man ohnehin weit von dem entfernt, was die großen Prestigemarken aufrufen.

Reims bietet sich für Übernachtungen natürlich am ehesten an, zumal dort das kulinarische Angebot am vielfältigsten ist. Für die zwei Abende, die wir diesmal hier sind, sollen es aber eher einfache Restaurants unterhalb der Sterne sein.

Am ersten Abend fällt die Wahl auf das „Little Georgette“ im zentral an der Kathedrale gelegenen „La Caserne Chanzy“-Hotel. Es ist für die einfache Bistro-/Brasserieküche zuständig, während nebenan im „La Grande Georgette“ ein gehobenes Fine Dining-Angebot präsentiert wird.

Preislich ist das „Little Georgette“ erstaunlich günstig aufgestellt, wenn man die Lage des Hauses betrachtet und die Tatsache, dass das Hotel zur Autograph-Collection des Marriott-Konzerns gehört. So ist ein Dreigang-Menü bereits für 32 Euro zu bekommen und auch die À la Carte-Preise sind beachtlich.

Wir starten den Abend mit dem außerordentlich guten Champagner „Éphémère 022“ von Frédéric Savart, ein Jahrgangs Blanc de Blancs, der hier großzügig in vernünftigen Gläsern zu gerade mal 13 Euro das Glas ausgeschenkt wird, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Flasche im Einzelhandel für rund 75 Euro angeboten wird.

Als Vorspeise wählen wir eine Portion rohen Schinken, der frisch auf der Berkel-Maschine aufgeschnitten wird. Ich schätze, dass es französischer Schinken ist, denn er ist weniger prägnant als Parma oder Serrano, aber auch sehr schmackhaft. Allerdings ist die Menge absurd groß, so dass man sich fragen muss, wie sich das für 8 (!) Euro überhaupt rechnet.

Roher Schinken
Roher Schinken

Ich wähle die Terrine de Campagne, die hier frisch aus der Form portioniert wird, in der sie zubereitet wurde. Das alleine finde ich schon sehr vertrauenserweckend und auch geschmacklich erfüllt die Terrine, was man erwartet. Sie ist rustikal und einfach lecker. Cornichons, Silberzwiebeln, hervorragendes Bauernbrot und Salzbutter komplettieren die rundweg ehrliche Vorspeise. Der Preis? Ebenfalls nur 8 Euro…

Terrine de Campagne
Terrine de Campagne

Im Hauptgang entscheiden wir uns einmal für das Boeuf Bourguignon (23 Euro), also einen weiteren Klassiker der französischen Küche. Und der ist hier mehr als akkurat zubereitet. Butterzartes Fleisch, Champignons, Perlzwiebeln, kräftige und charaktervolle Schmorsauce – alles genau so, wie es sein soll. Aus vier Beilagen wählen wir dazu Kartoffelpüree. Was anderes passt auch eigentlich nicht wirklich. Das ist ebenfalls sehr ordentlich gemacht, nur wiederum viel zu großzügig bemessen. Klagen auf hohem Niveau.

Ich wähle das Cordon Bleu vom Hähnchen (25 Euro). Es ist gefüllt mit Würfeln von gekochtem Schinken und würzigem Käse. So weit, so gut. Allerdings ist das Brustfleisch möglicherweise zu lang gebacken, denn zumindest am Rand ist es doch schon etwas sehr trocken, während es zur Mitte hin noch in Ordnung ist. Ziemlich unterirdisch fällt indes die Panierung aus, die nur noch trocken ist und ein fast sandiges Mundgefühl entwickelt. Schade drum, denn ansonsten hätte das gut funktionieren können. Als Beilage wähle ich dazu die Pommes Allumettes, die zwar nicht streichholzdünn sind, wie man hätte annehmen können, sondern eher Fritten in McDonalds-Stärke sind. Vielleicht geht das aber in Frankreich noch als Pommes Allumettes durch und ist letztlich nur eine optische Frage. Geschmacklich sind sie in Ordnung, aber erneut ist die Portion schlichtweg verrückt, so dass ich gerade mal ein Drittel schaffe.

Obwohl bereits pappsatt, entscheide ich mich mit etwas zeitlichem Abstand dann doch noch für ein Dessert. Crêpes Suzette, der hier auch tatsächlich noch am Tisch zubereitet wird, Paris Brest oder Brioche Feuilletée klingen zwar verlockend, aber mir ist nicht wirklich nach Süßem und zudem befürchte ich, dass auch das wieder üppige Gerichte werden könnten. So wähle ich die Käseauswahl (11 Euro), die hier aus Chaource, geaschtem Ziegenkäse und einem Rotschmierkäse besteht. Allesamt sind mutmaßlich erst kurz vor dem Servieren aus dem Kühlschrank genommen worden, was den Genuss dann doch arg schmälert. Ich probiere ein wenig davon und beschließe dann, dass mir das, besser temperiert, zum Frühstück dann doch mehr Spaß machen wird. Freundlicherweise packt man mir die Reste zum Mitnehmen ein.

Käseauswahl
Käseauswahl

Trotz der leichten Mängel beim Cordon Bleu und beim viel zu kalten Käse, ist das „Little Georgette“ eine klare Empfehlung. Zu erstaunlich günstigen Preisen wird man hier, in zentralster Lage, eine traditionelle Küche auf ganz überwiegend gutem Niveau bekommen. Dass man sich hier die Mühe macht, manche Gerichte noch am Tisch zuzubereiten oder zu finalisieren, finde ich wohltuend altmodisch. Der Service ist aufmerksam und freundlich. Da hier naturgemäß zahlreiche Touristen verkehren, ist man auch mit englisch gut aufgehoben. Und hungrig verlässt man das sympathische Bistro definitiv sowieso nicht.

Details

Restaurant: Little Georgette
Adresse: 18, rue Tronsson Ducoudray, 51100 Reims
Öffnungszeiten: Täglich 12.00 - 14.00 Uhr und 19.00 - 22.00 Uhr
Kein Ruhetag
Website: www.lacasernechanzy.com/fr/littlegeorgette.html

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