schanz. restaurant., Piesport
Am 7. November 2025 in Deutschland | 308 Aufrufe
Es ist eine besondere Woche, in der wir im November unterwegs sind. Angefangen in der Champagne, wo wir unsere Kellervorräte aufgefüllt haben. Auf dem Rückweg dann der wie immer wunderbare Abend bei Christian Bau und nun zum eigentlichen runden Geburtstag meiner besseren Hälfte als krönender Abschluss ein erneuter Besuch bei Thomas Schanz.
Da passt es, dass sich pünktlich zu unserer Ankunft der Nebel verzieht und die Sonne die angemessene Kulisse für das erste Glas Champagner auf dem Balkon unseres Zimmers bietet.
Nach dem wie immer ungemein herzlichen Empfang durch Gabriele Schanz folgt das zweite Glas dann im Restaurant. Mit der Entscheidung machen wir es uns leicht. Auch wenn man hier, was nicht mehr selbstverständlich ist, à la Carte wählen könnte, ist das Menü die beste Art, die ganze Bandbreite von Thomas Schanz‘ Küche zu erleben. Und das soll es natürlich auch für uns sein.
Der Champagner wird begleitet von den ersten Fingerfood-Snacks, die wie immer als Dreierlei serviert werden. Die Tartelette mit geschmolzenem Wildschweinkopf, Erbsen und Holunderessigschaum ergibt einen molligen, harmonischen Grundakkord, in dem der Forellenkaviar mehr für die texturelle Wirkung sorgt.
Das Röllchen aus dem Thunfischbauch ist mit Blumenkohlcreme gefüllt und bekommt durch den Kaviari Kristal Gold Kaviar einen leicht salzigen, jodigen Touch. Insgesamt ein kühler, frischer und sehr eleganter Snack.
Ein Crostini mit Wagyufleisch komplettiert das Dreierlei. Mit San Marzano-Tomaten und Jalapeno ergibt sich ein leicht herzhaftes Geschmacksbild, das mir irgendwie, warum auch immer, aus der Kindheit sehr vertraut vorkommt, ohne dass ich es genau identifizieren kann. Auf jeden Fall sehr schön nachhallend.
Die Brotauswahl ist wie immer vielfältig und ausgezeichnet, die Butter ist noch natur und nicht aufgeschlagen. Aber wir zügeln uns, wie häufiger in letzter Zeit. So sehr wir gutes Brot schätzen, so sehr trägt es leider dazu bei, dass wir es in einem üppigen Menü mitunter kaum bis zu den Süßigkeiten schaffen.
Das Trüffel-Ei ist ein Signature-Dish in Thomas Schanz‘ Küche. Auf kleinstem Raum verbinden sich hier cremiger Eierstich mit Nussbutter und perfektem Schaum. Die Saison für weiße Trüffel hat begonnen und daran wurde wahrlich nicht gespart. So ergibt sich ein traumhafter Duft und ein noch intensiverer Geschmack.
Auch der abschließende Gruß folgt einer Tradition. Er kommt wieder in Form einer Kuppel, mal Coupole, mal Dôme genannt, dessen schaumige Hülle diesmal mit Treviso bedeckt ist und immer gefüllt ist, diesmal mit einem Pistazien-Walnuss-Tatar. Ein Ziegen-Veilchen-Eis klingt verwegener, als es tatsächlich ist. Abgerundet wird alles von einer leicht säuerlich-zitrischen Sauce. Das ist handwerklich wie immer top, sehr leicht und zudem ein schönes vegetarisches Gericht.
Ein Menü bei Thomas Schanz beginnt gerne mit einer Kreation rund um Gänseleber. Und es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend, wie er dieses Thema neu umsetzt. Mal als eine Art fliegender Teppich, zuletzt als Rondell und dieses Mal als „Gratte-Ciel“, also als Wolkenkratzer. Zwischen Filoteigblättern, die auch in den früheren Gerichten eine wichtige texturelle Bedeutung hatten, sind Gänseleber, Wildkräuterglace, Grapefruit und Pastis geschichtet. Dazu gesellen sich Eis von fermentiertem Pfeffer und Streifen von altem Gouda. Eine außergewöhnlich luftige Brioche gibt den klassischen Mitspieler in dieser sehr unkonventionell anmutenden Kombination.
Was erneut danach klingt, als würde es nicht zusammenpassen, geht sehr schlüssig auf. Das ist nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern gestaltet sich Gabel für Gabel sehr unterschiedlich und komplex, je nachdem, welche Komponenten man erwischt. Erneut eine stilbildende Foie Gras-Kreation. Ich bin jetzt schon gespannt, was sich Thomas Schanz zu diesem Thema als nächstes einfallen lässt.
Mit einem weiteren optisch sehr reizvollen Gericht geht es weiter. Huit Noir betitelt, also schwarze Acht, stellt das Petermännchen in den Mittelpunkt. Dieser barschartige Fisch ist häufig Beifang in Netzen und wird oft wieder ins Meer zurückgeworfen, da die Stacheln äußerst giftig sind. Kommt er aufgrund seines mageren, aber geschmackvollen Fleisches als durchaus geschätzter Speisefisch in den Handel, müssen die Flossenstacheln definitiv entfernt sein. Hier wird er gefüllt mit Stücken von der Kalbszunge und Streifen von gedünstetem Salat, obenauf Kaviari Kristal Kaviar. Angegossen wird ein leicht gebundener Aufguss von Orangenschalen und Sepiatinte, wobei letztere mehr für den Farbeffekt eingesetzt ist. Einige Tropfen Orangenblattöl unterstreichen die wunderbar ätherische Zitrusnote. So ergibt sich ein sehr ausgeklügeltes, komplexes Geschmacksbild, das zwischen Leichtigkeit, Frische und eleganter, herzhafter Deftigkeit changiert. Faszinierend.
Es folgt Steinbutt mit einer Auflage von pochierten Austern und Tomaten auf einem Bett von fein geschnittenen Wasserkastanien. Der Sud aus Wald- und Meeresaromen ist tatsächlich schwer einzuordnen, aber gerade dadurch auch wieder sehr vielschichtig. Dass Thomas Schanz häufig auf Sude und Aufgüsse anstelle von klassischen Saucen setzt, ist zweifellos eines seiner Markenzeichen und macht einen Gutteil der Leichtigkeit seiner Gerichte aus.
Auch beim Kohlenfisch, belegt mit Radieschensegmenten, kann man dies gut erkennen. Der Schwarzteesud ist prägnant, aber nicht penetrant oder dominant. Separat wird eine Pipette mit Rosmarinwasser serviert, die man nach eigenem Gusto tröpfchenweise dazugibt. Pur probiert, ist das extrem intensiv. Es ist spannend, wie sich der Geschmack in eine herbe, fast waldige Richtung verschiebt, je nachdem, wieviel man vom Rosmarinwasser dosiert. Das ist ausgezeichnet, auch weil der Gang ziemlich puristisch daherkommt.
Ein Aufguss, erneut leicht gebunden, von Maracuja und Tonkabohne begleitet auch den gegrillten portugiesischen Carabinero. Die Tonkabohne bringt für meinen Eindruck bereits fast einen fleischigen Charakter in das Gericht, der von den Stücken von ebenfalls gegrillten Ferkelfüßchen noch unterstützt wird. Nicht zu unterschätzen ist das transparente, sehr knusprige Kartoffelgitter, das äußerst geschmackvoll leichte Röstnoten beisteuert. Erneut fabelhaft.
Vor dem Fleischgang folgt als Erfrischung ein Zitronensorbet auf einem Staudenselleriesüppchen mit kleinen Mikrostückchen vom Sellerie. Das ist säuerlich und frisch und erfüllt tatsächlich genau den vorgesehenen Zweck.
So unkonventionell die Fischgänge ausgefallen sind, so klassisch wird es mit dem Hauptgang. Die Challans-Wachtelbrust im Champignonmantel ist mit Entenleber und Lauchfarce souffliert. Das ist nicht nur sensationell schön anzusehen, sondern auch ausgesprochen aromatisch. Ein Karottentörtchen mit unfassbar klein geschnittenen Brunoise, Pfifferlinge und höchst originelle Mini-Pommes sind die Begleiter zu der diesmal perfekt glänzenden, traditionellen Jus. Hier kommen perfektes Handwerk und wunderbarer Geschmack zusammen. Ich feiere das!
Ein wahrer Hingucker ist auch der Vacherin glacé als Dessert mit einer sorgsamst geschichteten Baiserhaube, unter der sich jede Menge Himbeeren verbergen. Beim Quarkeis vom Wacholder ist das Gewürz schon sehr präsent, wenn man es separat probiert. Im Zusammenspiel mit der Frucht und dem zweiten Eis sowie dem angegossenen Waldsauerkleesüppchen ist es jedoch perfekt integriert. So fruchtig, säuerlich und leicht ist dies genau meine Art von Dessert.
Wie gewohnt klingt ein Menü hier mit einem Nachdessert und einer schönen Auswahl an Petit Fours aus. Zunächst gibt es ein Birnen-Fichte-Sorbet mit einem Sherrysüppchen. So steht es zumindest in der Karte. In meinen Notizen finde ich allerdings ein Fenchelsüppchen, das nach meiner Erinnerung auch stimmiger zur Birne passte. Aber ich mag mich täuschen. In jedem Fall war es noch einmal ein schön frischer Ausklang.
Die Süßigkeiten zum Schluss, darunter einige alte Bekannte, sind wie immer sehr sorgfältig gearbeitet und rutschen auch noch irgendwie rein.
Auch dies war wieder ein Menü, das uns rundweg begeisterte. Thomas Schanz‘ Kreationen haben häufig einen klaren Wiedererkennungseffekt. Zuvorderst sind dies seine Aufgüsse und Sude als Alternative zu Saucen, die sich am Gaumen vielschichtiger und dichter präsentieren, als man zunächst annehmen mag. Auch die häufig nur tropfenweise zugegebenen Öle darin sind nicht zu unterschätzen und geben einen zusätzlichen Kick. Faszinierend gestaltet sich aber die ätherische Note, die sich damit oft über ein Gericht legt.
Aber natürlich beherrscht man hier auch das traditionelle Saucenhandwerk wie bei den Fleischgängen. Schon bei unserem letzten Besuch begeisterte mich die Ballotine vom Stubenküken und auch heuer war die soufflierte Wachtelbrust ein Musterbeispiel für große, klassische Küche, wie man sie heutzutage kaum noch findet.
Über die Gänselebervorspeisen habe ich mich bereits ausgelassen, aber auch sie stehen so eigenständig da, dass ich nichts Vergleichbares kenne.
Natürlich geht es am Ende immer um den Geschmack. Aber Thomas Schanz legt genauso viel Wert auf eine markante Optik und auch die lässt einen Teller immer sehr schnell als seinen erkennen. Nicht ohne Grund brauche ich hier immer erst einen guten Moment, um ein Gericht zu bewundern, bevor ich es probiere.
Über den familiären Charakter dieses Hauses wurde schon alles geschrieben und auch heute ist das nicht anders. Der Service rund um Sommelière Janine Löwenberg agiert wie immer perfekt eingespielt, super freundlich und alles andere als steif.
Bevor wir auf unser Zimmer gehen, plaudern wir noch lange mit Gabriele Schanz, die wie ein Fels in der Brandung seit jeher jeden Gast mit großer Herzlichkeit begrüßt und verabschiedet, als gehörte man schon immer zur Familie. So verlassen wir das Restaurant doppelt beseelt. Bis zum nächsten Mal.
Details
| Restaurant: | schanz. restaurant. |
| Adresse: | Bahnhofstraße 8a, 54498 Piesport |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch: 18.30 - 20.30 Uhr Donnerstag: 12.00 - 13.30 Uhr und 18.30 - 20.30 Uhr Freitag: 18.30 - 20.30 Uhr Samstag: 12.00 - 13.30 Uhr und 18.30 - 20.30 Uhr Sonntag - Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.schanz-restaurant.de |
Schlagworte
3 Michelin Stars, Janine Löwenberg, kreativ, moderne Klassik, Mosel, Piesport, Thomas Schanz
Verwandte Artikel
Victor’s Fine Dining by Christian Bau, Perl-Nennig
6. Nov. 2025Dies ist mittlerweile der 12. Bericht, den ich über dieses Restaurant schreibe, einschließlich ... Weiterlesen
phaedra, Köln
3. Sep. 2025Es gibt Attribute, die irgendwie stimmen und doch viel zu kurz greifen. Das ... Weiterlesen
Landgasthof zum Müller, Ruderting
16. Juli 2025Die Rückreise von der Steiermark bescherte uns einen Zwischenstop in Ruderting, einem kleinen ... Weiterlesen
es:senz, Grassau
9. Juli 2025Drei Sterne im Michelin sind laut Definition eine Reise wert. Aber manche Ziele ... Weiterlesen
Michels Stern, Marktbreit
8. Juli 2025Seit wir nicht mehr arbeiten, erlauben wir uns häufiger Kurztrips statt längerer Urlaube. ... Weiterlesen
Haus Stemberg, Velbert
15. Juni 2025Zugegeben – wenn man über ein Restaurant immer und immer wieder nichts als ... Weiterlesen






Dein Kommentar