Best of 2025
Am 28. Dezember 2025 in Allgemein | 372 Aufrufe | 2 Kommentare
Erneut hat uns das vergangene Jahr wunderbare Restaurantbesuche und hervorragende Gerichte präsentiert. Dazu muss man nicht um die halbe Welt fliegen, sondern kann dies auch im eigenen und den angrenzenden Ländern erleben. Die folgenden 10 Gerichte, in chronologischer Reihenfolge, spiegeln nur bruchstückhaft wider, was uns in 2025 Genuss bereitet hat. Aber sie stechen heraus, weil es Gerichte sind, an die man sich auch nach langer Zeit noch erinnert.
Generell ist das kulinarische Niveau in Deutschland ausgezeichnet, was sich auch in der Rekordanzahl an Sternerestaurants ausdrückt. Allerdings macht sich nach meinem Eindruck eine gewisse Austauschbarkeit breit. Hamachi, Jakobsmuschel, Kaisergranat, Steinbutt, Reh – alles wunderbare Produkte. Aber im Laufe eines Jahres wiederholen sich manche Menüfolgen dann doch auffällig oft. Vielleicht liegt es an dem doch deutlich angezogenen Preisniveau, wo selbst bei Einsternern Menüs bereits an der 200 Euro-Grenze kratzen, dass man meint, den Gästen dann solche edlen Zutaten bieten zu müssen. Was darüber aber verloren gehen kann, ist eine eigene, klar erkennbare Handschrift.
Im Spitzensegment, also bei den Drei- und Zweisternehäusern, ist die dafür in der Regel umso klarer auszumachen. Hier finden wir die Köche, deren Teller eindeutig ihnen zuzuordnen sind und die die Einmaligkeit ihrer Küche ausmachen.
Ich will nicht missverstanden werden. Auch im Einsternebereich und darunter erleben wir Köche, die sich um ein individuelles Profil bemühen und sich dadurch vom Mainstream abheben. Aber häufig würden wir uns mehr Mut wünschen, auch unkonventionellere Wege zu gehen. Müssen es immer die Edelzutaten sein? Neulich hatten wir in einem niederländischen Restaurant einen Zwischengang mit geschmortem Rindfleisch und Lauch, als Terrine gearbeitet mit Pfeffersauce. Das war großartig. Oder könnte man nicht mit unerwarteten Kombinationen punkten? Wir erleben das deutlich öfter in Restaurants jenseits der Grenze, vor allem in den Niederlanden und Belgien. Und dort, da wiederhole ich mich, haben wir auch häufiger die Möglichkeit, den anspruchsvollen Lunch, oft sogar zu attraktiven Preisen, zu genießen – etwas, das wir uns definitiv auch hierzulande öfter wünschen. Und wünschen darf man ja.
Uns allen wünsche ich ein gutes neues Jahr – mit mehr Gemeinsinn, freundlichem Miteinander, Toleranz und weniger Hass, vor allem in den sozialen Medien, die leider viel zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas beigetragen haben.
Und zum Schluss wie immer Danke, dass Ihr den „tischnotizen“ auch weiterhin die Treue haltet. Es bedeutet mir viel.
Bootshaus, Bingen
Nils Henkel
Nils Henkel kocht im „Bootshaus“ des Hotels „Papa Rhein“ mitunter verspielt und detailreich, aber immer sehr geschmackvoll. Die Fischsuppe ist dafür ein fabelhaftes Beispiel. Hocharomatisch, mit reichhaltiger Einlage ist sie fast schon traditionell zubereitet, was sie nicht weniger gut macht. Den modernen Twist bekommt sie aber durch seine Interpretation des Röstbrotes mit Sauce Rouille, die alleine den Platz in dieser Liste rechtfertigen würde.
Atelier, Gulpen
Hans Kinkartz
Dass man sich auch nach 25 Jahren, in denen man ein Restaurant führt, nicht nur auf eingelaufenen Pfaden bewegen muss, hat uns Hans Kinkartz gezeigt. Sein abwechslungsreiches Menü präsentierte mit dem Seeteufel einen Gang, der mit Artischockenkompott, Messermuscheln, N’duja und Ochsenschwanzbouillon mutig kombinierte, was man nicht unbedingt zusammen erwartet hätte. Fabelhaft – wie der gesamte Besuch.
Eichhalde, Freiburg
Federico Campolattano
Italienische Küche ist ohne Zweifel eine der beliebtesten in Deutschland. Nur im Fine Dining-Bereich gibt es hierzulande nicht viele interessante Optionen. Wie Federico Campolattano aber die traditionellen Gerichte seiner Heimat neu interpretiert, ist in vielerlei Hinsicht spannend. Wie er einer roh marinierten Jakobsmuschel mit einem hocharomatischen Pulver von Oregano und einem nicht minder intensiven Sud von Tomatenwasser und Olivenöl eine frappierende Pizzaanmutung gibt, ist schlicht faszinierend.
Cheval Blanc, Basel
Peter Knogl
Unser erster Besuch bei Peter Knogl, der wiederholt an die Spitze der Liste der besten Köche der Welt gewählt wurde, hat seine Klasse eindeutig belegt. Er kocht traditionell, aber in allen Details und vor allem seinen Saucen so perfekt, dass man keinen Zweifel hat, warum er zu den Allerbesten seiner Zunft zählt. Seine Rotbarbe mit knusprigen Schuppen ist ein Klassiker des Hauses und in jeder Hinsicht unwiderstehlich.
es:senz, Grassau
Edip Sigl
Taube im Hauptgang begegnet uns häufiger und in dem Fall werde ich dessen nicht überdrüssig, weil es mein Lieblingsfleisch ist. Aber gerade weil das so ist, habe ich natürlich Vergleichsmöglichkeiten und auch Ansprüche. Edip Sigl hat die mehr als erfüllt. Seine an der Karkasse gebratene Taube hatte alles, was ich daran liebe. Schöne Röstaromen, mit einer tollen Trüffeljus, Pfifferlingsragout, einem gefüllten Raviolo, Trüffel und separat noch der knusprigen, aber saftigen Keule exzellente Mitspieler – mehr geht nicht.
De Juwelier, Amsterdam
Wouter Wingelaar
Im Portfolio der Amsterdamer Spitzenköche Richard van Oostenbrugge und Thomas Groot (u.a. das mit zwei Sternen ausgezeichnete „212“) befindet sich mit dem „De Juwelier“ auch ein Restaurant, das sich ganz der traditionellen französischen Brasserieküche und ihren Klassikern verschrieben hat. Von Paté en Croûte über Tatar und Steak mit ausgezeichneten Fritten gefiel uns eigentlich alles, aber mein persönliches Highlight war der Baba au Rhum zum Dessert, der bereits unglaublich saftig und köstlich war, noch bevor er überreichlich mit Rum getränkt wurde. Das ausgezeichnete Vanilleeis dazu war dann noch die perfekte Krönung.
Le Coquillage, Saint-Méloir-des-Ondes
Hugo Roellinger
Seit 2025 mit dem dritten Michelinstern dekoriert, hat Hugo Roellinger an diesem magischen Ort in einem Schloss mit Blick auf die Bucht von Cancale eine Küche etabliert, die sich mit großer Konsequenz den Produkten des Meeres und dem eigenen Garten widmet und das in einer sehr individuellen Art, die sich manchen Konventionen entzieht. Originell präsentiert wird zum Beispiel ein ausgehöhlter Apfel, der gefüllt ist mit Stücken von Kaisergranat und Scheiben von Rettich in einem Sud von fermentiertem Apfel und Ingwer. Das Geschmackserlebnis verändert sich hierbei, je nachdem wieviel Apfel man mit auf den Löffel schabt. Sehr intelligent gemacht und absolut köstlich.
Victor’s Fine Dining by Christian Bau, Perl-Nennig
Christian Bau
Ein Besuch auf Schloss Berg im Saarland gehört für uns zum festen kulinarischen Jahresprogramm. Dass sich dabei Gerichte auch mal wiederholen, die wir im Laufe der Zeit schon mal hatten, ist nicht ungewöhnlich und mindert den Genuss nicht im Geringsten. Nicht ohne Grund sind viele davon mittlerweile Signature Dishes. Über den Qualitätsfanatismus von Christian Bau ist auch bereits alles gesagt. Wer also Produkte in einer Qualität erleben will, wie man sie auf der Welt kaum sonstwo findet, kommt an einem Besuch hier ohnehin nicht vorbei. Im Menü unseres letzten Besuches fanden sich auch für uns neue Gänge, wie zum Beispiel das Gericht um Thunfisch und Entenleber. Beides in Variationen und zusammen mit Buchenpilzen und Shiitake erlaubt vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Texturen, Temperaturen – alles ist hier bis ins letzte Detail fein austariert. Schlicht perfekt. (Bericht folgt)
schanz.restaurant, Piesport
Thomas Schanz
Wie auch im vergangenen Jahr bot uns Thomas Schanz auch diesmal ein Menü, das so viele Gänge bot, die so eigenständig waren, dass sie einen Platz in dieser Liste verdient hätten. Von der wie immer ausgefallenen, stilbildenden Vorspeise rund um Gänseleber, einen faszinierenden Gang um Petermännchen, Kaviar, Kalbszunge und einem betörend ätherischen Sud von Orangenschale und Sepiatinte bis zum extravagant präsentierten Dessert war hier viel Denkwürdiges dabei. Aber neben diesen zum Teil avantgardistisch anmutenden Gerichten habe ich wieder ganz besonders ein Gericht abgefeiert, in dem Thomas Schanz beweist, wie perfekt er auch die große französische Klassik beherrscht. Seine soufflierte Wachtelbrust im Champignonmantel mit wunderbar witzigen Mini-Pommes Frites war handwerklich und geschmacklich schlichtweg großes Kino, das man in dieser Form nur noch sehr selten findet. (Bericht folgt)
Create by Guido Braeken, Eijsden
Guido Braeken
Guido Braekens Küche haben wir in seiner letzten Station im „Julemont“ auf Château Wittem kennengelernt, relativ kurz bevor dort nicht nur das Restaurant, sondern auch das gesamte Hotel geschlossen wurde. Seine neue Heimat, unweit von Maastricht, im ganz neu eröffneten Fünfsterne-Luxushotel „Van Oys“, in der er nur wenige Monate nach Eröffnung wieder mit zwei Michelinsternen eingestiegen ist, bietet ihm die Bühne, die seiner hoch eleganten und luxuriösen Küche entspricht. Ein Paradebeispiel dafür ist die extrem fleischige Irish Mór Auster in einer sehr feinen Ajoblanco-Sauce mit Kaviar. Jodige Meeresnoten und dezente Säure ergeben ein harmonisches und bildschönes Gericht. (Bericht folgt)
Schlagworte
Atelier, Bootshaus, Cheval Blanc, Christian Bau, Create, De Juwelier, Edip Sigl, Eichhalde, essenz, Federico Campolattano, Guido Braeken, Hans Kinkartz, Hugo Roellinger, Le Coquillage, Nils Henkel, Peter Knogl, Thomas Schanz, Victor's Fine Dining, Wouter Wingelaar
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Lieber Thomas, du siehst an deinem eigenen Jahres Resümee wie du in Verzug geraten bist. 🙂 also wünsche ich dir für das nächste Jahr alles erdenklich Gute, natürlich auch für den besten Ehemann von allen, viele weitere Genuss Momente und mehr Zeit darüber zu schreiben!
tolles Menu, würde ich genau so auch nehmen 😋👍🏼
Euch alles Gute & viele neue leckere Erfahrungen in 2026 🍽️🥂