De Cuijt, Mierlo
Am 3. Dezember 2025 in Niederlande | 282 Aufrufe
Mierlo ist eine Kleinstadt oder ein großes Dorf, je nachdem wie man es betrachtet, unweit von Eindhoven. Hat einen das Navigationssystem erst mal durch Gewerbegebiete und mehr oder weniger gesichtslose Wohngebiete gelotst hat, landet man an einem schnuckeligen Gasthaus, das am Eindhoven Kanal liegt. Im Sommer lässt sich hier bestimmt stimmungsvoll auch draußen sitzen. Innen verteilen sich die Plätze auf zwei Räume, die mit geschmackvollem Mobiliar und hellen Brauntönen eine angenehme Atmosphäre vermitteln.
Dass es uns zum Mittagessen hierhin verschlägt, hat mit der Biografie der beiden Chefs, Koen van Weert und seiner Partnerin Yuki Lee zu tun. Van Weert, gebürtig aus Mierlo, hat unter anderem in mittlerweile geschlossenen „De Lindehof“ in Eindhoven, seinerzeit mit zwei Michelinsternen ausgezeichnet, gearbeitet und später im Kopenhagener „Jordnaer“, wo er auch Yuki Lee kennengelernt hat. Als das „De Cuijt“ zur Übernahme anstand, entschieden beide, zurück in seine Heimat zu gehen und das Haus zu renovieren.
Dort bietet man seit Sommer 2025 mittags ein Menü zu 80 Euro an, abends zu 115 Euro sowie einige À la Carte-Gerichte.
Zum Apéritif gibt es auch hier einige Snacks. Den Auftakt macht eine Tartelette aus Roggenmehl, das von einer Mühle aus der Nähe stammt. Im Gegensatz zu üblichen Tartelettes hat dieses in der Tat einen dunkleren, kräftigeren Geschmack und ist dazu mega-knusprig. Gefüllt ist es mit Flower Sprouts und einer Creme von Epoisse. Das ist sehr würzig und exzellent.
Auch das Sandwich mit Kalbstatar und Ssamjang, einer koreanischen Würzpaste, ist mutig abgeschmeckt, aber wunderbar austariert mit dezent exotischem Einschlag.
Als letzter Gruß folgt eine Miesmuschel, von Koen van Weert als Stolz der Niederländer angekündigt, die gefüllt ist mit einer Estragoncreme und in einem Chorizosud badet. Hier finden kräutrige und würzige Noten zusammen und hallen lange nach. Ist klein, aber oho.
Den ersten Gang des Menüs markieren Scheiben von Hamachi mit kleinen Segmenten von Seeschnecken und für knackige Würze wahlweise Rettich oder Ingwer. So genau war das für uns nicht eindeutig erkennbar. Abgerundet wird das von einer kräftigen Ponzu mit Sesam. Ein gelungener Einstieg mit japanischem Einschlag.
Es folgt ein Stück Rotzunge, das gefüllt ist mit einer Farce von Trüffeln und Morchel. Dazu gibt es eine Auflage von Trüffeln sowie eine sehr seidige Mousseline mit Safran. Ich finde den Fisch ungewöhnlich weich und bin nicht sicher, ob das so sein soll, aber in Kombination mit der Füllung und der ausgezeichneten Sauce ist das immer noch gut.
Die Art und Weise, wie im „De Cuijt“ Brot und Butter serviert werden, kann man nicht anders als originell nennen, denn es gibt eine gute Brioche in einer Buttersauce mit Gochujang, einer koreanischen Chilipaste. Als Fingerfood angelegt, wird dies wie eine Scarpetta in Italien gegessen, wo man mit Brot den Teller aufwischt. Die Sauce ist angenehm pikant, aber nicht zu spicy, so dass das in der Tat Spaß macht.
Der nächste Gang präsentiert Lauch und Rindfleisch als Terrine gearbeitet in einer sehr präsenten Pfeffersauce. Koen van Weert, der den Gang selbst serviert, beschreibt die Sauce als klassisch im Escoffier-Stil, mit flambiertem Armagnac zubereitet. Das Fleisch ist butterzart, der Lauch bissfest und alles zusammen zeigt erneut, dass man hier mit Würze nicht spart. Ein erneut auf wenige Komponenten konzentrierter, sehr stimmiger Gang.
Im Hauptgang folgt Wildente im Wirsingmantel, gefüllt mit einem Kern von Foie Gras und darauf etwas Wildkräutersalat. Die Sauce dazu ist abgeschmeckt mit Quitte, Trüffel und Foie Gras und damit schön würzig. Handwerklich ist das sehr gut gemacht, kräftig und elegant gleichermaßen.
So reduziert wie die bisherigen Gerichte präsentiert sich auch das Dessert in Form eines Milcheises mit Blaubeeren in einem Sud von Blaubeeren, der mit Jasmintee versetzt wurde. So einfach dies wirkt, so erfrischend ist das und das Eis zeigt eine wunderbare Milchnote, die bei mir Kindheitserinnerungen aufkommen lässt.
Petit Fours werden auch hier separat zum Kaffee bestellt, worauf wir verzichten, aber Koen van Weerts, mit dem wir das Menü über, ebenso wie mit seiner sehr charmanten Partnerin Yuki Lee, immer mal wieder plaudern können, spendiert uns ein gut gelungenes Praliné mit Himbeere und Kaffirlimette.
Das war wieder ein mehr als angenehmer Lunch jenseits der Grenze. Koen van Weerts und Yuki Lee haben eindeutig Ambitionen auf Höheres und es würde mich nicht wundern, wenn hier nicht auch der Michelin bald einen Stern springen ließe. Die Gerichte sind reduziert und verzichten auf alles Überflüssige, überzeugen aber mit kräftigen Aromen, oft mit koreanischen Komponenten. Aber man erlegt sich hier keine Grenzen auf, was das Menü sehr abwechslungsreich gestaltet. Dass das handwerklich bereits sehr gut ausfällt, verwundert angesichts des Werdegangs nicht. Sollten hier bald Auszeichnungen folgen, muss man wohl damit rechnen, dass auch die jetzt noch ausgesprochen günstigen Menüpreise anziehen werden. Einen Besuch wäre das „De Cuijt“ dann aber sicher auch noch wert. Aber bis dahin ist dies schon mal eine klare Empfehlung.
Details
| Restaurant: | De Cuijt |
| Adresse: | Burgemeester Termeerstraat 50, 5731 SE Mierlo |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch - Freitag: 12.30 - 14.30 Uhr und 18.00 - 20.00 Uhr Samstag: 18.00 - 20.00 Uhr Sonntag: 12.00 - 15.00 Uhr Montag + Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.restaurant-decuijt.nl |
Schlagworte
De Cuijt, Koen van Weert, koreanisch, kreativ, Mierlo, puristisch, Yuki Lee
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