Éclosion, Quimper

Nach dem opulenten Dreisterne-Menü tags zuvor, war der Plan, es etwas einfacher angehen zu lassen. Der Weg hat uns ins zauberhafte Quimper geführt und für das Abendprogramm haben wir das „Éclosion“ gewählt, ein kleines Restaurant in der Altstadt, das mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet ist.

Es wird in der Küche von Thibault Le Goff geführt, der dort mit nur einer weiteren Kraft arbeitet, und im Service von Marion Pelletan. Mittags bietet man ein Menü in zwei oder drei Gängen zu 26€ bzw. 30€ an, abends drei oder vier Gänge zu 40€ bzw. 46€, wobei man jeweils aus drei Optionen wählen kann, bei Vorspeisen und Hauptgerichten vegetarisch, Fisch und Fleisch. Zu zwei Desserts gesellt sich noch ein Käsegang.

Dass man bei derart günstigen Preisen abends ein komplett anderes Programm anbietet als mittags, beeindruckt dann schon.

Wir entscheiden uns natürlich für die Viergang-Version.

Und die beginnt mit einem Thunfischtatar als Amuse Bouche. Obwohl es mit Kokosmilch, Fenchel und Koriander eigentlich recht intensive Mitspieler bekommt, bleibt es erstaunlich unauffällig gewürzt. Aber zum Apéritif ist das dennoch ganz nett.

Amuse bouche
Amuse bouche

In meinem ersten Gang gibt es gegarten Seeteufel, der dann kalt als eine Art Carpaccio aufgeschnitten ist. Karotte und Pilze, jeweils in Stücken und als Creme sowie Dashigel, das allerdings auch eher eine cremige Konsistenz hat, begleiten den Fisch. Sesam und Shishimi, ein japanisches Gewürz, bringen etwas Pep ins Spiel. Hier ist eine Menge los auf dem Teller. Die zahlreichen Zutaten erlauben es, viele verschiedene Kombinationen auf die Gabel zu nehmen, die recht stimmig ausfallen. Anstatt der vielen Cremes hätte ich mir höchstens eine verbindende Sauce gewünscht. Aber auch so ist das unterm Strich gut.

Seeteufel Carpaccio, Karotte und Pilze in Texturen, Shishimi, Dashi Gel
Seeteufel Carpaccio, Karotte und Pilze in Texturen, Shishimi, Dashi Gel

Auch die Vorspeise meines Mannes wartet mit vielen Komponenten auf. Das Pastrami, gut gegart und dünn aufgeschnitten, kommt mit frischem und geschmortem Fenchel, dazu eine etwas spezielle, aber nicht üble Bier-Miso, eine recht füllige Mimolette-Béchamel als Espuma und gepickelte Senfsaat. Das ist ebenfalls gut kombiniert und in jedem Fall nicht langweilig.

Pastrami, Chicoree, Mimolette Béchamel, Bier Miso, Senfkörner
Pastrami, Chicoree, Mimolette Béchamel, Bier Miso, Senfkörner

Im Hauptgang entscheide ich mich für Lamm, das in zweierlei Form zubereitet ist. Der geschmorte Teil wurde gezupft und dann zu Blöcken gepresst und lackiert, dazu ein kurzgebratenes Stück, das relativ neutral gehalten ist, aber die ordentliche Fleischqualität betont. Sellerie gibt es als Püree und gepickelt, Pastinake als Chip. Etwas Kakao bringt einen herben Ton ins Spiel, wobei die markantesten Akzente die Creme und Sauce vom schwarzen Knoblauch setzen. Ich bin zufrieden, beginne aber jetzt schon, aufgrund der Größe der Portionen, zu kämpfen. Eine leichte Küche ist das hier nicht unbedingt.

Lamb, Sellerie, Pastinake, Kakao, schwarzer Knoblauch
Lamb, Sellerie, Pastinake, Kakao, schwarzer Knoblauch

Für meinen Mann geht es mit Seelachs weiter, der mutmaßlich gedämpft wurde. Auch hier ist bei den Beilagen reichlich was los. Blumenkohl gibt es roh, als Püree und gebraten, fermentierten Chinakohl gedünstet und Grünkohl als Chip. Trauben und eine Verjussauce lassen das Gericht für mich etwas arg säurebetont erscheinen. Meinem Mann gefällt das aber.

Seelachs, Variation von Blumenkohl, Grün- und Chinakohl, Trauben, Verjussauce
Seelachs, Variation von Blumenkohl, Grün- und Chinakohl, Trauben, Verjussauce

Beim Käsegang bedient man sich Sorten aus einem Fachgeschäft in der Nachbarschaft, was ich schon mal sehr sympathisch finde. Hier sind es drei Sorten von Kuh, Ziege und Schaf, allesamt von guter Qualität. Sie hätten für meinen Geschmack etwas mehr Temperatur haben können, aber das ist nur eine marginale Kritik. Der dazu gereichte gemischte Salat mit Cashewnüssen gefällt mir, die Pflaumensauce dazu ist passend.

Käse & Salat
Käse & Salat

Auch bei den Desserts setzt sich der Hang zu Variationen fort. Die Birne bereitet die Küche in kandierter Form, in Heu geräuchert und als Kompott zu. Mandel- und Pralinencreme sowie Financier in Stücken, Mandeln und Crumble bringen eine Menge Textur, aber unterm Strich ist das alles sehr üppig und bleibt doch recht ähnlich und vor allem teiglastig. Ein kaltes Element oder eines, das einen markanten Kontrast hätte setzen können, hätte dem Gang nach meinem Eindruck gut getan.

Birne, Mandel, Heu, Financier
Birne, Mandel, Heu, Financier

Im zweiten Dessert spielen Kürbis und Mandarine die Hauptrolle, auch hier selbstverständlich wieder in verschiedenen Formen. Der Kürbis kommt als Creme und karamellisiert, was die natürliche Süße noch einmal zusätzlich verstärkt. Die Mandarine kommt in Segmenten und soll auch im Biskuit verarbeitet sein, was nicht schmeckbar ist. Dafür ist das Sorbet ganz ausgezeichnet gelungen. Der Anteil Biskuit ist mir persönlich zu viel, dazu ist er leider sehr trocken. Der Buttermilchschaum kann etwas dagegen halten. Insgesamt gefällt mir das etwas besser als das Birnendessert, aber auch hier wäre etwas Reduktion vielleicht hilfreich gewesen.

Kürbis, Clementine, Kürbiskern, Buttermilch
Kürbis, Clementine, Kürbiskern, Buttermilch

Zum Digestif bekommen wir noch ein kleines Stück Pistazienkuchen. Durchaus lecker, aber auch der hätte etwas saftiger sein können.

Petit four
Petit four

Was die beiden Köche aus der kleinen Küche schicken, zumal zu dem ausgesprochen günstigen Preis, ist schon bemerkenswert. Hier wird mit großem Aufwand gekocht, fast schon, als wollte man mit jedem Teller etwas beweisen. Dabei hat man das gar nicht nötig, denn handwerklich ist hier das meiste schon sehr gut. Aber abgesehen von den recht üppigen Portionen könnte hier etwas Konzentration und Reduktion für etwas mehr Klarheit in der Konzeption sorgen.

Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir einen sehr angenehmen Abend verbracht haben, woran auch der charmante Service von Marion Pelletan ihren maßgeblichen Anteil hatte. Auf deutsch verabschiedet sie uns in die herbstliche, sternenklare Nacht. 

Details

Restaurant: Éclosion
Adresse: 3 rue Laennec, 29000 Quimper
Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag: 12.00 - 14.00 Uhr & 19.30 - 21.45 Uhr
Sonntag + Montag: Ruhetag
Website: www.eclosion-restaurant.fr/

Schlagworte

, , , , , ,

Verwandte Artikel


Kommentare

  1. Carsten am 24. Dezember, 2025 um 10:29 Uhr.

    Ende Juni haben wir mittags dort keinen Platz bekommen, waren deswegen im Bistro an der Markthalle, mit Schwerpunkt Meeresfrüchte natürlich keine Strafe für uns. Allerdings ist das Eclosion gesetzt für den nächsten Juni 😀 danke für die schöne Reise durch den für uns schönsten Teil der Welt, das Ende der Erde! Frohes Fest und einen schönen Start ins neue Jahr!

Dein Kommentar