Meierei im Stadtpark, Wien
Am 24. Juni 2026 in Österreich | 456 Aufrufe | 1 Kommentar
Das „Steirereck“ von Heinz und Birgit Reitbauer ist vielleicht das bekannteste Restaurant in Österreich. Mittlerweile auch mit drei Michelinsternen ausgezeichnet, hat man auch die Auszeichnung erreicht, die man seit Jahren mit höchsten Notierungen auf der zwar zweifelhaften, aber medial halt überaus präsenten Top 50 Pellegrino-Liste längst innehatte.
Zum futuristisch-eleganten Gebäude im Wiener Stadtpark gehört aber seit jeher eine Etage tiefer auch die „Meierei“, die bereits ab 8.00 Uhr morgens zum Frühstück geöffnet hat.
Ruhig gelegen am Wienfluss, der aber, zumindest so oft, wie wir dort entlang gelaufen sind, nie mehr als ein minimales Rinnsal führte, verfügt man über schöne schattige Plätze auf der Terrasse sowie im Inneren, dessen Interieur in hellem Weiß sachlich gehalten ist.
Da wir abends in die Volksoper gehen, haben wir uns die „Meierei“ für ein Mittagessen ausgewählt. Es ist ein heißer Tag und die Nebelduschen in der Stadt haben gute, kühlende Dienste geleistet. Dennoch dürstet es uns und wir freuen uns auf kalte Getränke, aber die lassen ungewöhnlich lange auf sich warten. Dabei werden Biere auch in Österreich eher zügig gezapft und ein Soda-Zitrone geht normalerweise auch schnell von der Hand. Nach Wasser werden wir gar nicht gefragt. Ein erster Dämpfer.
Zum Essen möchten wir dann auch Wein trinken, aber außer einigen wenigen Weinen auf der Tageskarte gibt es nur die große Weinkarte aus dem „Steirereck“ und die ist uns dann für die Mittagsmahlzeit denn doch zu hochpreisig. Also wieder zurück zur Mittagskarte und all das dauert. Mittlerweile sind die Getränke da und auch der bestellte Wein findet seinen Weg an unseren Tisch. Trinken wir eben beides parallel.
Gedeck ist ja in nahezu allen österreichischen Restaurants obligatorisch, aber die paar Scheibchen Brot, einige davon leicht getoastet und etwas Butter als Gruß der Küche anzukündigen, hat dann doch schon fast etwas Euphemistisches.
Kommen wir zum Essen: Mein Mann startet mit Fischstäbchen von der Bergforelle. Die sind super knusprig frittiert und von gutem Eigengeschmack. Dazu gibt es einige Johannisbeeren und eine Art Cocktailsauce, die gut passt. Der Salat dazu ist als Erdäpfel-Wiesenkräuter-Salat angekündigt, aber Wiesenkräuter kann ich darin nicht ausmachen. Statt dessen befindet sich am Boden ein schlotziger Kartoffelsalat, der für mein Empfinden etwas zu warm ist und den darauf befindlichen Salat, mutmaßlich Eisberg und vielleicht noch etwas Kopfsalat, schneller laff werden lässt. Für meine bessere Hälfte ist das aber von der Temperatur in Ordnung und an den Fischstäbchen gibt es ja eh nichts auszusetzen. Dennoch wäre meine Erwartungshaltung an den Salat eine andere gewesen.
Meine Zuckermais-Marillen-Kaltschale gibt keinerlei Grund zur Klage. Die kühle Suppe trifft auf eine Einlage aus Tomate, geröstetem Mais und knusprigen Polentaschnitten und ist ausgesprochen köstlich. Sie ist wunderbar cremig, hat Tiefe und ist nicht zu süß. Das ist reichhaltig und abwechslungsreich. Ausgezeichnet!
Aber kaum sind die Teller abgeräumt, steht der Service auch schon mit den Hauptgerichten bereit. Es dürften keine zwei Minuten vergangen sein. Für Geschäftsleute mag solch eine zügige Taktung in Ordnung sein, für uns ist sie es nicht.
Was dann auf den Tisch kommt, ist aber dafür sehr akkurat. Bei einigen Gerichten wird die Option von kleineren Portionen angeboten, was uns angesichts der Temperaturen entgegen kommt.
Für mich geht es mit Amur Karpfen weiter, der kross gebraten und mit aromatischem Fleisch eines der Lieblingsprodukte von Heinz Reitbauer ist, denn auch eine Etage höher haben wir den schon ab und zu genießen dürfen.
Dazu gibt es gedünsteten Spinat und Feldsalat sowie weich gedünsteten Lauch, der eine Auflage aus gegrilltem und geräuchertem Lauch erhält, der wie eine Art Asche wirkt. Die cremige Sauce dazu hat eine leichte Zitrusnote und verbindet alles stimmig.
Auch bei heißem Wetter darf es ab und zu etwas Deftiges sein, zumal, wenn einem Gulasch wie dem aus dem „Steirereck“ ein legendärer Ruf vorauseilt. Die beiden Stücke in der kleinen Portion sind groß genug, um zu sättigen und tatsächlich butterzart. Die Schmorsauce kräftig und die Semmel-Lauch-Roulade als Beilage eine schöne Idee, auch wenn ich hier den Lauch komplett vermisse und dafür eher eine quarkartige Füllung erkenne. Dennoch gut und das Gulasch eben so, wie ein Gulasch sein soll.
Zum Abschluss entscheiden wir uns nur noch für etwas Leichtes. Mein Mann wählt aus den Eis- und Sorbetsorten Schokolade, Marille und Honigmelone. Während die ersten beiden Sorten einen guten Eigengeschmack zeigen, bleibt die Honigmelone eher unauffällig.
Für mich sollen es marinierte Erdbeeren sein, die auf gebackenem Topfen kommen, der wie eine Art fester Griespudding wirkt. Das Sauerampfereis dazu steuert Frische und Säure bei. Ein stimmiges und gutes Dessert.
Dass wir nach dem mehr als zügig servierten Hauptgang auf das Dessert wieder überproportional lange warten mussten, sei nur der Ordnung halber erwähnt. Es ist allerdings symptomatisch für unseren gesamten Besuch.
Ist das Essen bis auf einige Kleinigkeiten in Ordnung bis gut, ließ das Timing heute an nahezu jeder Stelle sehr zu wünschen übrig. Das kann man sicher nicht dem Service alleine anlasten, sondern deutet auf ein Abstimmungsproblem mit der Küche hin. Allerdings hätte man auch den unerfahreneren Mitarbeitern etwas mehr Führung durch die älteren KollegInnen gewünscht.
So bleibt der Besuch in der „Meierei“ bei diesem Wien-Aufenthalt leider der schwächste der von uns besuchten Restaurants.
Details
| Restaurant: | Meierei im Stadtpark |
| Adresse: | Am Heumarkt 2A im Stadtpark, 1030 Wien |
| Öffnungszeiten: | Montag - Freitag: 08:00 - 23:00 Uhr Samstag: 09:00 - 19:00 Uhr Sonntag & Feiertag: Ruhetag |
| Website: | www.steirereck.at/meierei.html |
Schlagworte
Heinz Reitbauer, Meierei, Michael Bauböck, österreichische Küche, Steirereck, Wien
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