Orania. Berlin, Berlin
Am 20. Mai 2025 in Deutschland | 1925 Aufrufe
Es ist schon eine beachtliche Leistung, wenn ein Koch es schafft, für ein Gericht auch über die Grenzen der eigenen Stadt oder Region hinaus bekannt zu werden. Bei Philipp Vogel, gebürtiger Kölner und seit vielen Jahren Koch und Hotelier im Berliner „Orania Hotel“ in Kreuzberg, ist es seine Version der Pekingente, eingebettet in ein eigenes „X-Duck Menü“.
Dass die Gäste ganz überwiegend deswegen hierher kommen, wird schon bei der Begrüßung deutlich. Noch bevor einem die Speisekarte überhaupt gereicht wird, wird gefragt, ob man die Ente möchte. Damit würde sich dann auch das Studium der übrigen Gerichte erübrigen. Und in der Tat scheint es so, dass sich mindestens Dreiviertel der Gäste hierfür entscheiden.
Die Ente hatte übrigens auch schon ihren Ruf, bevor Philipp Vogel einem breiteren Publikum durch seine Auftritte in „Kitchen Impossible“ bekannter wurde. Der Nachfrage dürfte das allerdings auch kaum geschadet haben.
Dabei hat Philipp Vogel durchaus eine bemerkenswerte Vita auch im Fine Dining-Bereich. Anfang der 2000er-Jahre war er bei Thomas Martin im Hamburger „Louis C. Jacob“, dann bei Dieter Müller im „Schlosshotel Lerbach“, bevor Stationen in England und Asien folgten. In Wien erkochte er dann im Kempinski Hotel einen Stern und verließ danach das Haus, um in Berlin das schicke Boutiquehotel zu übernehmen.
Das hat einen großen Bar- und Lobbybereich, der in das eigentliche Restaurant mit offener Küche übergeht.
Natürlich lockt auch uns das Entenmenü (89€ p. P.) hierher. Den Auftakt macht lockeres, knuspriges Weißbrot mit der unvermeidichen aufgeschlagenen Butter und Salzflocken,
bevor es mit einer dampfenden Brühe, die aus den Karkassen und Gemüsen gezogen wird, ins Menü startet. Und die hat es in sich: dicht, tiefgründig und hocharomatisch hat sie alles, was Liebhaber von konzentrierten Suppen, eigentlich schon fast eher einer Bouillon, lieben. Darin schwimmt zudem ein seidenweicher Dumpling mit einer Füllung aus dem Fleisch der Keulen, Herz und Leber. Einfach wunderbar und lange nachhallend.
Als nächstes folgt Aktion am Tisch, denn die komplette Ente wird präsentiert und dann die Haut sorgfältig tranchiert. Dazu erklärt die zuständige Köchin etwas über Herkunft und Zubereitung des Tieres. Man bezieht die Tiere tiefgefroren aus Irland, wo eine bestimmte, fettreiche Rasse am ehesten den Ansprüchen für die hiesige Zubereitung entspricht. Die Ente wird dann so aufgeblasen, dass sich die Haut vom Fleisch löst. Anschließend wird sie in einen Sud getaucht und anschließend einige Tage im Kühlhaus gereift, so dass die Marinade gut einziehen kann. Erst mit der Bestellung am Abend wird sie dann noch einmal glasiert und in einen speziellen Ofen gehängt, bis die Haut dann auch die gewünschte Knusprigkeit erhält.
Zu der in handliche Stücke geschnittenen Haut gibt es diverse Beilagen, die der Gast in Pfannkuchen einwickelt, als da wären eingelegter Ingwer, Frühlingszwiebeln, Hoisin-Sauce, brauner Zucker und marinierter Rettich. Ist die Haut für sich genommen für meinen Geschmack etwas zu süß, spielt sie aber ihr volles Aroma in Kombination mit dem säuerlichen Gemüse und den Pancakes wunderbar aus.
Das Selbstrollen funktioniert anfangs nur so mittelprächtig, was dem Genuss allerdings keinen Abbruch tut. Außerdem gibt es sehr willkommene feuchte Handtücher, mit denen man sich auch schnell wieder in einen vorzeigbaren Zustand bringen kann.
Zum Zwischendurchessen gibt es noch eingelegte Gurken mit Cashewkernen und Knoblauchflakes, die ebenfalls gekonnt zwischen Süße, Säure und Schärfe pendeln.
Es folgt die Brust, die noch kurz gebraten wurde, entsprechend zart, aber dennoch knusprig gerät. Sie kommt im eigenen Saft, der allerdings mit diversen Pfeffersorten ungemein kraftvoll und erneut etwas süß ausfällt. Als Beilage gibt es gepickelten Pak Choi mit Apfelwürfelchen, wobei die Säure einen schönen Kontrast zum Fleisch bietet. Das alles kommt ohne großen Schnickschnack und konzentriert sich ganz auf die Qualität der Produkte.
Zur Erfrischung folgt ein Sorbet von grünem Apfel und Shisokresse, eventuell ist auch noch Staudensellerie mit im Spiel. Eine dezente kräutrige Note macht sich bemerkbar, ist aber nicht aufdringlich. Das ist lecker, wenngleich abermals einen Hauch zu süß.
Den Abschluss des Menüs bildet dann eine Schale mit gebratenem Reis. Der wurde zuvor gekocht, dann dehydriert und dann erst gebraten, was ihm eine bessere Knusprigkeit verleihen soll. Als Einlage dienen das saftige Keulenfleisch, Wasserkastanien, wilder Brokkoli, Sprossen, Ingwer, Frühlingszwiebeln, ein Hauch Koriander, ein rohes Eigelb und Reischips. Das hat alles super viel Geschmack, viel Crunch und ist einfach extrem abwechslungsreich und lecker.
Das Menü selbst bietet kein Dessert, aber natürlich könnte man sich aus der regulären Karte noch eines bestellen, wenn man denn noch die Kapazitäten hätte. Wir sind so gut gesättigt, dass wir darauf verzichten und begnügen uns mit den hausgebackenen Glückskeksen, die zur Abwechslung mal nicht konfuzische Weisheiten enthalten, sondern launische, aber gut gelungene Wortspielwitze.
Zum Kaffee gibt es noch ein paar Stückchen ausgezeichneter Schokolade, was den Abend dann doch noch ausreichend süß abrundet.
Philipp Vogel hat sich mit diesem Menü ein eindeutiges Markenzeichen geschaffen. Auch wenn seine Interpretation von der originalen Pekingente hier und da abweichen mag, bot sie doch viel authentisches Flair und kräftigen, intensiven Geschmack, der den Besuch allemal gelohnt hat.
Der Service macht seine Sache locker, aufmerksam und sehr herzlich, so dass es auch hier nichts zu beanstanden gibt.
Wenn es nicht so abgedroschen wäre, müsste man also konstatieren: Ente gut – alles gut. Ach egal, ich mach’s trotzdem.
Details
| Restaurant: | Orania. Berlin |
| Adresse: | Oranienplatz 17, 10999 Berlin |
| Öffnungszeiten: | Täglich ab 18.30 Uhr kein Ruhetag |
| Website: | www.orania.berlin/de |
Schlagworte
Berlin, kreativ, Orania, Pekingente, Philipp Vogel, X-Berg Duck
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