V-Andy Bar im Votum, Hannover
Am 12. März 2026 in Deutschland | 290 Aufrufe
Ein Abend im Leineschloss, 2. Teil: Die Gastronomie im Gebäude des niedersächsischen Landtags dürfte in der Republik ziemlich einmalig sein. Denn neben dem „Schorse“, das sich französischer Brasserieküche widmet, befindet sich mit dem „Votum“ gleichzeitig auch ein mit zwei Michelinsternen dekoriertes Restaurant, in dem Benjamin Gallein weniger klassisch, dafür moderner und experimentierfreudiger kocht.
Seit Anfang 2025 gibt es dort ein zusätzliches Angebot für alle, die den Abend dort mit einigen Kleinigkeiten an der Bar ausklingen lassen wollen. Für 65 Euro (bei vorherigem Besuch im „Schorse“ für 49 Euro) serviert die Küche acht kleine Gänge, teils salzig, aber überwiegend mit Dessertcharakter. Das Ganze läuft dort dann als „V-Andy Bar“.
Im „Schorse“ hatten wir bereits zwei durchaus üppige Gänge und Luise Volkert, die Restaurantleiterin und Sommelière, rät uns angesichts unserer Reservierung freundlich, aber bestimmt davon ab, bei ihr noch ein Dessert oder eine Auswahl vom Käsewagen zu nehmen. Das wird sich noch als sehr gute Entscheidung herausstellen.
So wechseln wir also durch den Vorhang in den besternten Teil des Hauses und werden an der Bar schon erwartet. Zur Einstimmung gibt es Popcorn mit Gulaschgewürz, das nach hinten raus eine feine, würzige Schärfe zeigt. Auch hier halten wir uns klugerweise zurück, obwohl das Knabberzeug schon Suchtpotential hätte.
Als nächstes folgt eine Käsewaffel, die aus Reis- und Sojamehl gebacken wurde mit Beaufort und Bergkäse. Auf der Unterseite wird die Waffel gefüllt mit Feigenmarmelade und einem Espuma von geräuchertem und mit Holzkohle versetztem Rinderfett. Der Käse geht gegen die Frucht zwar etwas unter, aber die fluffige Konsistenz der Waffel gefällt mir sehr gut. Separat gibt es dazu im Glas etwas rehydrierte Feige und Sauterneseis. Zusammen genommen ist das zwar recht süß, aber in Summe spannend.
Den gesamten Abend können wir die Zubereitung der Gänge mitverfolgen und dabei werden uns alle Details erklärt. So auch für die Crème brûlée vom Blumenkohl mit Hafer-Mandelcrunch, Mandarinengel und geräucherter Mandarine. Dazu gibt es ein unter anderem mit Pernod abgeschmecktes Fenchel-Shiso-Eis. Das ist sehr harmonisch, nur leicht herb-kräutrig und überzeugt mit tollen Konsistenzen und einem fabelhaften Eis. Das könnte ich mir auch prima als Pré-Dessert oder in einer größeren Version vorstellen.
Benjamin Gallein schiebt dann noch einen Gang ein, der in Kürze die Käsewaffel ersetzen wird. Dabei wird angebratenes Brioche mit einer Creme aus Feige und Sobrasada belegt. Ein Espuma von Manchegokäse wird abgeflämmt und anschließend noch mit frischem Käse und Trüffelhonig finalisiert.
Auch dies weist immer noch eine gute Süße auf, aber durch die Sobrasada ist alles deutlich kräftiger und herzhafter und damit ausgewogener. Klasse.
Als kleine Erfrischung tut ein Champagnersorbet mit Limettenabrieb jetzt gute Dienste. Es wird aufgegossen mit einem Likör, in dem Zitrus und Ingwer die Hauptrolle spielen und vor allem der Ingwer sehr präsent ist. Zudem steuert er eine gute Schärfe zu den Zitrusnoten bei.
Ab hier folgt der komplette süße Teil des regulären Menüs im „Votum“, beginnend mit dem Pré-Dessert. Das ist in diesem Fall eine sehr eigene Interpretation von Tsatsiki mit abgehangenem griechischem Joghurt, Gurke, Eis von schwarzem Knoblauch und Gurkensorbet. Dillöl sowie ein mit Limejuice abgestimmter Molkesud runden alles ab. In dieser originellen Version ist das Geschmacksbild typisch für ein Tsatsiki, aber es ist sehr kreativ umgesetzt und zudem kühl und erfrischend.
Das eigentliche Dessert wirkt optisch auf den ersten Blick eher unprätentiös, ist aber sehr komplex aufgebaut. Auf einer Brioche mit Dulce de Leche-Creme findet sich eine Karamellplatte mit Fudge, Creme und etwas Maldon Salz. Darauf ein Milcheis und frischer, schwarzer Trüffel. Angegossen wird ein Schokoladen-Trüffeljus auf herzhafter Basis. Vorherrschend ist eine herb-süße Grundaromatik, wobei Karamell, Fudge und Dulce de Leche schon dafür sorgen, dass das Dessert ausreichend süß ausfällt. Aber die Kombination funktioniert sehr gut.
Mit Niedersachsen und speziell Hannover verbindet man nicht allzu viele Gerichte. Eine Süßspeise hingegen ist relativ bekannt und darf in kaum einem Restaurant der Region fehlen. Und auch hier hat die Welfenspeise als Post-Dessert ihren Auftritt. Die Kombination aus Vanille- und Weincreme kommt in relativ traditioneller Form ins Glas und gerät ausgesprochen fluffig.
Auch der finale Abschluss fällt noch einmal klassisch aus in Form eines Pekannusssoufflés mit Vanilleeis, in der die komplette Schote verarbeitet wurde, was es dadurch noch intensiver macht. Geschmacklich ist beides so top wie auch handwerklich perfekt.
Auch ohne die beiden Gänge, die wir vorab im „Schorse“ hatten, wären wir nach diesem Dessert-Menü gut gesättigt gewesen. So allerdings hatten wir schon mächtig zu kämpfen. Denn auch wenn es einige herzhafte Elemente gab, war dies doch vor allem ein Dessertmenü, in dem Süße ihren entscheidenden Platz hatte. Davon unbenommen hatten alle Gerichte den typischen „Votum“-Touch, in dem gerne Ungewöhnliches miteinander kombiniert wird und es dennoch immer harmonisch aufgeht. Auch der Aufwand in den einzelnen Kreationen war jederzeit erkennbar. So hat das viel Spaß gemacht, wie auch die Kommunikation mit den Köchen nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam war.
Und dass wir auf diese Weise einen Einblick in das aktuelle „Votum“-Menü nehmen konnten, machte auch Lust, mal wieder für ein komplettes Menü zu kommen.
Details
| Restaurant: | V-Andy Bar im Votum |
| Adresse: | Hannah-Arendt-Platz 1, 30159 Hannover |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch - Samstag: ab 21.00 Uhr Sonntag - Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.vo-tum.de/v-andy-bar/ |
Schlagworte
2 Michelin Stars, Benjamin Gallein, Desserts, Hannover, kreativ, Landtag, V-Andy Bar, Votum
Verwandte Artikel
Schorse, Hannover
12. März 2026Dass sich in Hannover kulinarisch seit einiger Zeit eine Menge getan, immerhin kann ... Weiterlesen
Kluth, Köln
31. Jan. 2026Eine der spannendsten Neueröffnungen in Köln war im vergangenen Jahr die des „Kluth“, ... Weiterlesen
L99, Osnabrück
30. Nov. 2025Die bewusste Entscheidung weg von den Sternen hin zu Konzepten, die vermeintlich einfacher ... Weiterlesen
schanz. restaurant., Piesport
7. Nov. 2025Es ist eine besondere Woche, in der wir im November unterwegs sind. Angefangen ... Weiterlesen
Victor’s Fine Dining by Christian Bau, Perl-Nennig
6. Nov. 2025Dies ist mittlerweile der 12. Bericht, den ich über dieses Restaurant schreibe, einschließlich ... Weiterlesen
phaedra, Köln
3. Sep. 2025Es gibt Attribute, die irgendwie stimmen und doch viel zu kurz greifen. Das ... Weiterlesen








Dein Kommentar