Tribeca, Heeze
Am 6. März 2026 in Niederlande | 26 Aufrufe
Es gibt Restaurants, die schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste stehen, aber dann doch irgendwie immer in Vergessenheit geraten. Das „Tribeca“ in Heeze, nur wenige Kilometer südlich von Eindhoven gelegen, ist so eines. Über lange Jahre schon gehörte das Haus und sein Chef Jan Sobecki mit 2 Michelinsternen und gerade erst auf 19 Gault Millau-Punkte aufgewertet zu den Besten in den Niederlanden.
Der Instagram-Post eines von mir sehr geschätzten Gourmets über einen Lunch im „Tribeca“ fiel derart begeistert aus, dass dies der längst überfällige Auslöser für einen Besuch dort war.
Im Gegensatz zum Abend, wo man ein ausführlicheres Menü serviert, bietet man zum Zeitpunkt unseres Besuchs mittags ein Fünf- bzw. Sechsgangmenü an zu erstaunlich günstigen 110€ bzw. 120€ und als All In-Variante inklusive Apéritif, Wasser, Getränkebegleitung und Kaffee / Tee zu 175€ bzw. 195€. Mittlerweile liegt der Preis hier wohl bei 185€ bzw. 210€. Für ein Restaurant dieser Klasse immer noch wahrlich erstaunliche Preise, von denen man hierzulande nur träumen kann.
Im schmucken Haus hat der Gast die Wahl, entweder im Restaurantbereich oder in der Küche am Tresen zu essen. So stilvoll und licht der Speisesaal mit schöner Fensterfront zum Garten hin auch ist, so sehr reizt es uns mal wieder, dem Geschehen beim Zubereiten der Speisen zuzusehen und so nehmen wir heute als einzige Gäste auf den komfortablen Barstühlen Platz.
Da dieser Bereich gleich links neben dem Eingang liegt, sind wir ein wenig abgeschnitten vom restlichen Restaurant. Deshalb freuen wir uns, dass man uns einen Rundgang anbietet, um auch die übrigen Räume kennenzulernen. Auch dürfen wir einen Blick in die Hauptküche werfen, die der unseren nachgelagert ist. Obwohl es dort alle Posten gibt, werden unsere Gerichte überwiegend in der Gästeküche zubereitet, so dass es dort genug zu beobachten gibt. Und sowohl Köche als auch Service suchen immer wieder das Gespräch, so dass zu keinem Moment Langeweile aufkommt oder wir uns vernachlässigt fühlen.
Als ersten Snack serviert man eine Tartelette mit Kürbissalat, Ingwer und Mandarine, die crispy und mit feinen Zitrusspitzen gut abgestimmt ist.
Auch im nächsten Gruß spielen Zitrusnoten eine explizite Rolle. In einer Minikasserolle gibt es einen Salat von Muscheln, Karotte und Orange auf einer Creme, in dem der Muschelgeschmack sehr ausgeprägt ist und sich dennoch alles gut ergänzt.
Herzhafter wird es mit dem Minirösti, auf dem ein gepresstes Stück Stew vom Rind platziert ist. Etwas Meerrettichcreme soll wohl etwas Schärfe beisteuern, geht aber aromatisch unter. Knusprig und lecker ist es dennoch.
Den etwas komplexeren Abschluss der Grüße bildet ein Arrangement von Herbsttrompeten, Senfcreme und -körnern sowie diversen Kräutern aus dem eigenen Garten, auch als Creme. Das ergibt ein recht fülliges Geschmacksbild mit vielen Texturen. Ebenfalls sehr lecker.
Nach diesem bereits sehr gelungenen Einstieg folgt der erste reguläre Gang. Kleine Makrelenstücke, leicht mariniert, wurden abgeflämmt, was ihnen feine Röstnoten gibt. Geräucherte Bete sowie kleine Algen, die z.T. auch als Tempura frittiert sind sowie eine Vinaigrette auf Basis von Kokosmilch und Limette runden das sehr frische Ensemble ab. Ein abwechslungsreicher, säurebetonter Auftakt.
An dieser Stelle folgt das ausgezeichnete, fluffige Sauerteigbrot mit röscher Kruste sowie ein Brioche mit aufgeschlagener Butter von Bordier, die mit Steinpilzen aromatisiert und mit Bärlauchöl verfeinert wurde.
Weiter geht es mit perfekt auf den Punkt gebratener Jakobsmuschel mit schönen Röstnoten auf einer extrem samtigen Kürbisvelouté, dazu Totentrompeten, Chips von Ibericoschinken und eine Sauce von Pilzen und Schnittlauchöl. In Summe ergibt das eine recht erdig anmutende Einfassung für die Jakobsmuschel, die aber gut und stimmig aufgeht. Gefällt mir ausgezeichnet.
Für den nächsten Teller sind zahlreiche Handgriffe erforderlich, denn das Filet vom Petermännchen ist begleitet von etlichen Komponenten, darunter diverse Cremes, bei der vor allem eine Estragon betonte Kräutercreme hervorsticht, gepickelten Radieschen, Salzzitrone und sehr zarten Stücken vom gebratenen Tintenfisch. Abgerundet wird das von einer aromatischen Kokos-Beurre Blanc. All das erlaubt viele Kombinationsmöglichkeiten, die den exzellenten Fisch mal fülliger, mal kräutriger erscheinen lassen.
Es folgen Stücke vom glasierten und sehr knusprig gebackenen Kalbsbries. Das ist von eher fester Struktur und auch für Nicht-Bries-Liebhaber, die sich mit der ansonsten weichen Struktur schwertun, gut essbar. Pilze, Chips und eine kräftige Sauce geben die passenden Mitspieler. Clever sind die Segmente vom Kopfsalat mit einem Dressing nach Großmutterart, die ein schönes Frischeelement in den Gang bringen.
Im Hauptgang gibt es Wachtel und als Einstimmung darauf wird vorab eine Croustade mit einer sehr luftigen Creme von der Leber serviert. Ein Popcornschaum unterstützt die feine Süße und etwas Abrieb von Blutorange sorgt für den Kontrapunkt.
Die Wachtel ist im Ganzen gebraten, was die Brust sehr saftig und die Haut knusprig geraten lässt. Begleitet wird sie von getrockneten Kirschtomaten, Fenchelpürree und Olive, was für einen mediterranen Touch sorgt und kandierte Orange setzt erneut feine Akzente. Fabelhaft ist die aus den Karkassen gezogene, tiefgründige und kräftige Jus.
À part dazu gibt es einen mit dem Keulenragout gefüllten Ravioli mit Aguachile in kleinen Stücken, was diesen Teller tatsächlich ein wenig in südamerikanische Gefilde verschiebt. Damit dient das nicht unbedingt als Ergänzung zum Hauptteller, sondern kommt recht eigenständig rüber. Aber insgesamt ist das eine exzellente Produktpräsentation und köstlich sowieso.
Das Dessert kommt in zwei Teilen. In einem Schälchen findet sich Eis von Topinambur und Schokolade, dazu Topinamburchips und Preiselbeerkompott, das mit seiner milden Säure einen frischen Akzent setzt. Separat folgt dann noch ein perfekt aufgegangenes Soufflé von Vanille und Zitronenverbene mit wunderbarem Stand. Ich kann mich kaum noch erinnern, wann wir das letzte Mal ein Soufflé serviert bekommen haben, umso erfreuter bin ich darüber. Und dieses hier ist zudem auch noch ganz fabelhaft. So ist dies allerbeste Klassik und ein gelungener Abschluss des Menüs.
Aber so ganz vorbei ist es natürlich noch nicht. Denn zum Kaffee werden noch Macaron, Praliné und Madeleine serviert. Dazu folgt noch eine Auswahl von drei Kuchen: Haselnuss, Kirsch-Baiser und Quitte-Streusel. Alle sind akkurat gearbeitet, süß und lecker.
Jan Sobeckis Küche ist eindeutig klassisch französisch basiert, bietet aber viele zeitgemäße, kreative Ideen. Die Gerichte strahlen eine große Souveränität aus, die sehr der gelassenen Ruhe entspricht, die wir bei den Köchen und der Zubereitung beobachten.
Mal sind die Gänge sehr detailreich mit vielen Kombinationsmöglichkeiten, mal reduzierter, immer aber mit stimmiger Aromatik.
Zum Lunch am Samstag kann man alternativ auch ein Menü mit Luxusprodukten wie Kaviar, Langoustine, Trüffel, Taube etc. wählen. Angesichts dessen, dass man die aber allerorten bekommen kann, ist es erfreulich, dass ein Menü dieser Qualität auch mit weniger kostspieligen Zutaten zu überzeugen weiß.
Am jetzigen Standort wird man nur noch bis Ende Dezember bleiben. Danach zieht man nach Eindhoven auf das Landgut De Wielewaal, das derzeit umgebaut wird und anschließend auch Zimmer für Übernachtungsgäste anbieten wird. Aber ob noch hier oder dann am neuen Ort – das „Tribeca“ ist in jedem Fall einen Besuch wert.
Details
| Restaurant: | Tribeca |
| Adresse: | Jan Deckersstraat 7, 5591 HN Heeze |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch - Samstag: 12.00 - 13.00 Uhr & 18.30 - 19.30 Uhr Sonntag - Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.restaurant-tribeca.com/ |
Schlagworte
2 Michelin Stars, französisch, Gault Millau, Heeze, Jan Sobecki, kreativ, moderne Klassik, Tribeca
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