L’Arnsbourg, Baerenthal
Am 7. August 2026 in Frankreich | 97 Aufrufe
Um das „L’Arnsbourg“ zu erreichen, muss man tief in die französische Provinz eintauchen. Im Département Moselle irgendwo zwischen Bitche und Haguenau gelegen, taucht nach kurviger Fahrt durch waldige Gegend auf einmal rechter Hand ein schmuckes Landhaus auf und linker Hand auf einem Berg das dazugehörige Relais & Châteaux-Hotel.
Dieser Ort hat eine lange und große kulinarische Geschichte. Hier kochte von 1987 bis 2015 Jean-Georges Klein, der als Oberkellner im Restaurant seiner Mutter begann und dann als Autodidakt in die Küche wechselte. Nach dem ersten Stern, der gleich im ersten Jahr kam, folgte der zweite nur ein Jahr später und seit 2002 hielt das Haus sogar drei Sterne. Bemerkenswert für jemanden, der letztlich keine klassische Kochausbildung durchlaufen hat und sich vor allem durch Praktika bei Pierre Gagnaire und bei Ferran Adria im legendären „El Bulli“ weitergebildet hat.
Aus dieser Zeit resultiert auch unser letzter Besuch. Er liegt also schon sehr lange zurück. Bereits damals hatte mich das wunderschöne Hotel mit großzügigen Zimmern, aus denen man den beruhigenden Blick in die Natur genießen konnte, begeistert. Daran hat sich nichts geändert, ebenso wenig am formidablen Relais & Châteaux-Standard, der sich von der Begrüßung bis zum ausgezeichneten, servierten Frühstück fortsetzt.
Das Haus und die Küche werden mittlerweile von Fabien Mengus und seiner Frau Laure geführt. Das Restaurant ist mit einem Michelinstern ausgezeichnet. Der geschmackvolle Speisesaal hat seine zeitlose Eleganz ebenfalls behalten. In einem Wintergarten-ähnlichen Kubus hat der Gast freie Sicht auf Wiesen und Wald. Es sitzt sich sehr komfortabel an den großzügig gestellten Tischen.
Angeboten werden verschiedene Menüs von drei Gängen (95€) bis zu fünf (135€) und sieben (165€) Gängen. Dazu gibt es ein Mittagsmenü am Donnerstag und Freitag in drei Gängen für charmante 68€ sowie diverse All-In-Angebote für Senioren und junge Gäste. Da die Menüs diverse Extras enthalten, sind die aufgerufenen Preise mehr als fair.
Unser gebuchtes Arrangement in fünf Gängen beginnt mit drei Snacks. Eine Tartelette mit einer Creme, die Flammkuchenaroma zeigen soll, ist mehr als neutral. Zudem weist die Tartelette einen seltsam dumpfen Teiggeschmack auf.
Ein Biskuitteigkissen mit Majorangeschmack ist weich und saftig mit einer Auflage von Taschenkrebs und der stärkste der kleinen Happen. Denn die Teigblätter, die mit getrockneter Aprikose, Pflaumen, Nüssen und Zitronengel gefüllt sind, sind nett, aber auch nicht sonderlich aufregend.
Als Amuse Bouche folgt eine pochierte Auster mit Passionsfruchtvinaigrette und einem Grapefruitsorbet. Die fruchtige Einfassung steht der Auster sehr gut. Stimmig.
Brot wird serviert, hier ein Elsässer Bierbrot von fester Konsistenz und durchaus schmackhaft. Etwas Butter wäre nett gewesen, aber so ist es halt mehr zum Aufstippen von Saucen gedacht.
Das eigentliche Menü startet dann mit einem Sashimi von Kohlrabi, was ein ziemlicher Euphemismus ist, denn von Sashimi hat das hier so gar nichts, aber nun gut. Dafür ist der Kohlrabi mit dünnen Scheiben von Birne zu einer Rose gerollt. Und das Herbe des Kohlrabi ergibt mit der Süße der Birne eine erstaunlich reizvolle Kombination. Zusammen mit der Sauce aus Stangensellerie und Fenchel ergibt das mit den grünen Aromen eine stimmige Kombination. Mit einem zusätzlichen Element, das einen Widerhaken oder Kontrast bieten könnte, hätte dieses an sich recht einfache, aber geschmackvolle Gericht durchaus noch mehr gewinnen können.
Weiter geht es mit sehr gut gebratenem Wolfsbarsch mit Artischocken als Püree und als Chips sowie mit Pfifferlingen und einer schaumigen Estragonsauce. Einige Brombeeren wurden ebenfalls mit angedünstet, was ich etwas unglücklich finde, denn in purer Form hätten sie ihre Säure besser ausspielen können. Aber auch so ist das eine klassische und wenig verspielte Kombination, die einfach lecker ist.
Ähnlich geradlinig präsentiert sich der folgende Gang mit gut gegartem Seeteufel im Kataifimantel, was einen schönen Crunch liefert. Dazu gibt es frische Erbsen in einer Kräutercreme. Gerade diese sehr reduzierte Form gefällt mir hier ausgesprochen.
In Tradition der Zeiten von Jean-Georges Klein, bei dem es an dieser Stelle auch häufig als Intermezzo einen Cappuccino, oft von Kartoffel und Trüffel gab, folgt hier nun einer vom Hummer, wobei das in dieser Version schon eine andere Qualität hat. Am Boden finden sich zwar einige homöopathische Stücke, was an sich noch nicht gravierend gewesen wäre. Allerdings lässt das ganze schaumige Ensemble einen typischen Krustentiergeschmack, wie man ihn erwarten würde, vermissen. Dafür scheint es mir recht tomatisiert zu sein und ist unterm Strich noch ok, jedoch vollmundiger angekündigt, als es dann eingelöst wird. Als Hommage an Kleins Zeiten geht das aber durchaus charmant durch.
Im Hauptgang begegnet uns ein Fleisch, das wir tatsächlich recht selten im Fine Dining auf Menükarten finden. Denn Rinderfilet, hier vom Charolais, scheint ziemlich aus der Mode gekommen zu sein. Dabei ist dieses auf den Punkt gebraten wie gewünscht und zudem mit prägnantem Eigengeschmack. Die Sauce dazu ist sehr gut, ebenso der gedünstete Fenchel und der Klecks von schwarzem Knoblauch liefert dazu einen starken Umamiakzent.
À part gibt es eine extrem cremige Polenta mit Olive und Mais. So cremig ist es kaum als Polenta zu erkennen und auch für mich, der ich ansonsten nicht der größte Fan davon bin, sehr gut ess- und genießbar.
Dieser Gang ist ebenfalls sehr geradlinig ohne großen Schnickschnack und so erfreulich altmodisch wie gut gelungen.
Wir schieben noch einen Käsegang ein, der hier mit einer schönen Auswahl von Maître Antony vom Wagen präsentiert wird. Condiments hätte es auch gegeben, auf die wir aber (wie meistens) verzichten.
Es folgt noch ein Pré-Dessert mit einer Variation von Pfirsich, wobei das ein wenig drollig anmutet angesichts der Tatsache, dass es komplett rosa erscheint und mit einer Himbeere als Deko kommt. Aber geschmacklich ist das gut.
Beim Dessert gibt es die Wahl zwischen zwei Optionen, die wir beide wählen. Für mich ist es eine Variation um die Erdbeere, die pur und als Gelee kommt. Dazu eine Erdbeerkuppel, die mit Vanillesahne und Basilikumconfit gefüllt ist und separat ein Sahne-Basilikum-Eis. Wäre das Eis pur von Basilikum gemacht, hätte es meiner Meinung nach einen viel stärkeren Akzent setzen können. So ging das Aroma in der Sahne ziemlich unter. Und unterm Strich war das zwar handwerklich gut, aber eben auch recht brav.
Mein Mann entscheidet sich für das Dessert um Honig- und Wassermelone, ebenfalls in Variation und auch mit einem Sablé als knusprigem Element. Die leichte Ziegenkäsecreme fügt sich hier sehr passend ein, ebenfalls das cremige Eis sowie die angegossene Sauce von Johannisbeeren und Veilchen. Verglichen mit der Erdbeerkomposition ist das hier etwas spannender, auf jeden Fall frischer und ebenso handwerklich gut gearbeitet.
Ein Wagen mit ausladender Auswahl von ausgezeichneten Petits Fours bereitet uns noch einen ausgiebigen süßen Abschluss.
Die Küche von Fabien Mengus ist zwar nicht hyperkreativ, kann aber mit sehr solidem Handwerk und geradliniger Präsentation überzeugen, die auf unnötige Details verzichtet. An der ein oder anderen Stelle hätte ich sie mir zwar etwas weniger brav gewünscht, aber auf charmante Art gefällt mir auch dieser oldfashioned Stil.
Den Service bestreitet vor allem eine außerordentlich freundliche Mitarbeiterin, die uns in ausgezeichnetem deutsch durch den Abend führt. Mit dem Sommelier hätten wir es auch auf englisch bestreiten können, aber er weiß unsere Bemühungen, es auf französisch zu versuchen, zu schätzen und zum Ende des Abends haben wir auch ihn etwas aufgelockert.
So steigen wir zufrieden und gut gesättigt die Stufen zu unserem sehr geräumigen Zimmer den kleinen Hügel hinauf und genießen am nächsten Morgen ein fabelhaftes Frühstück. Bei unserem letzten Besuch schnitt Jean-Georges Klein noch den Schinken selbst auf der Berkel-Maschine. Aber das ist auch die letzte Erinnerung, die wir an die Vergangenheit verlieren. Denn auch in der Jetztzeit ist das „L’Arnsbourg“ eine empfehlenswerte Adresse.
Details
| Restaurant: | L'Arnsbourg |
| Adresse: | 18 Untermuhlthal, 57230 Baerenthal |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch - Sonntag: 12.00 - 14.00 Uhr und 19.00 - 23.30 Uhr Montag + Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.arnsbourg.com |
Schlagworte
Fabien Mengus, französisch, klassisch, L'Arnsbourg, Michelin, moderne Klassik
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