Xaver’s, München
Am 6. Mai 2026 in Deutschland | 90 Aufrufe
Es ist ein besonderer Tag in München. Der FC Bayern kämpft (letztlich erfolglos) um den Einzug ins Finale der Champions-League und die Stadt platzt aus allen Nähten. Die Vereinsshops in der Innenstadt machen Umsätze wie nichts Gutes und die U-Bahnen sind so gerammelt voll, dass man ein Gefühl davon bekommt, wie Sardinen in Dosen sich fühlen mögen.
Ähnlich voll ist es auch im „Xaver’s“, einem Gasthaus im Glockenbach-Viertel, das sich zur Aufgabe gemacht hat, etwas frischen Wind in die klassische Wirtshausszene zu bringen. Die drei Geschwister Jakob, Theresa und Xaver Portenlänger, aufgewachsen in einer Gastrofamilie, kombinieren hier Traditionelles mit Modernem und Stylishem und das Publikum goutiert es nun schon seit 2018.
Auf der Karte, die natürlich Traditionelles wie Wiener Schnitzel und Brotzeitbrettl bietet, finden sich aber auch vegetarische und vegane Optionen ebenso wie kreative Ausflüge. Dabei legt man Wert auf Qualitäts-Zutaten von Lieferanten aus Tirol und vom Schliersee. Brot bezieht man hier folgerichtig von Münchens Vorzeigebäcker Julius Brantner.
Da es zum Abend hin nach kräftigem Gewitter und deutlich aufgefrischtem Wind merklich abgekühlt ist, starten wir mit einer Rinderkraftbrühe, die dampfend heiß auf den Tisch kommt. Sie ist schön klar und intensiv, aber noch nicht mit dem hochkonzentrierten Touch, der leicht an den Lippen kleben bleibt – trotzdem sehr gut. Als Einlage dienen Kräuterprofiteroles, bei denen der Kräuteranteil zwar nicht erkennbar ist, aber die dennoch originell ausfallen, auch wenn sie natürlich relativ schnell aufweichen. Man muss nur etwas Vorsicht walten lassen, denn in der heißen Brühe sind die noch mal doppelt so heiß. Aber in Summe ist das eine wunderbar wärmende Suppe.
Es folgt ein Rindertatar, das recht mild angemacht ist mit einem konfierten, noch halbflüssigen Eigelb. Essiggurkenwürfel, frittierte Kapern und gepickelte Zwiebeln dienen als Garnitur und können nach Belieben so dazu portioniert werden, dass jeder Bissen anders schmeckt. Mit etwas Salz und Pfeffer kann man nachhelfen, muss aber nicht unbedingt. Geröstetes, kräftiges Brot macht daraus ein rundes, leckeres Wirtshausgericht.
Nicht ganz so überzeugend fällt dagegen das Vitello Forello aus, das Kalbfleisch mit einer Rauchfischsauce von Forellen vom Schliersee verspricht. Nur ist das Fleisch leider komplett durchgegart, so dass man kaum erkennen kann, dass es Kalb ist. Genauso gut hätte es auch ein Schweinebratenaufschnitt sein können. Wäre das Fleisch etwas rosa gegart, hätte dies ein deutlich feineres Mundgefühl gegeben. Leider ist auch die Rauchfischsauce zu dezent, um hier ein spannendes geschmackliches Gegengewicht zu liefern. Dazu gibt es einen für mein Geschmack zu großzügig bemessenen Berg Feldsalat mit Kürbiskernen und einem ordentlichen Dressing.
Aber trotzdem war die Erwartungshaltung angesichts der Beschreibung deutlich höher, als es der Teller einlösen konnte.
Das kann aber auf jeden Fall der Schweinebraten von der Biometzgerei Juffinger aus Tirol. Zwei Stücke, Bauch mit schöner Kruste und vom Nacken, sind saftig und lecker. Das aromatische Safterl dazu ist klassisch und passend. Schön, dass es zweierlei Knödel gibt, einen Semmelknödel und einen halb und halb. Der separate Speck-Krautsalat ist wunderbar und so ist dies ein Gericht, bei dem alles exakt so ist, wie es sein muss.
Für mich soll es Fisch sein und zwar Backfisch, der heute vom Saibling ist. Die zwei stattlichen Stücke mit feinem Teig sind gut ausgebacken, die Sauce Tartare passend und der Kartoffel-Gurkensalat schlotzig, aber gleichzeitig bissfest. Auch dies ist sehr gut gelungen.
Den ursprünglichen Plan, entweder etwas Süßes oder Käse zum Abschluss zu nehmen, müssen wir komplett verwerfen, da wir schlichtweg zu satt sind. Ein Schnaps von der Destillerie Lantenhammer passt gerade noch, aber dann ist es auch gut.
Apropos Getränke: Neben Bieren von der Augustiner-Brauerei gibt es im „Xaver’s“ auch eine mehr als bemerkenswerte Weinkarte, die zudem gastfreundlich kalkuliert ist. Ein weiteres Merkmal, dass man hier andere Wege geht als in einem klassischen Wirtshaus.
Da fügt sich auch nahtlos ein, dass der junge Service ausgesprochen freundlich und aufmerksam ist und das selbst bei übervollem Haus.
Sebastian Wenz, der die Küche leitet, verfügt über reichhaltige Erfahrung aus Häusern in Österreich und Deutschland, was eine gute Voraussetzung ist, den Spagat zwischen traditioneller, bürgerlicher Küche und leicht kreativen Ausflügen zu bewältigen. Dass das Vitello Forello die Erwartungen nicht hat erfüllen können, ist verschmerzbar. Ich glaube, dass hier mit wenigen Stellschrauben die eigentlich gute Idee noch besser umgesetzt werden kann. Alles weitere kam einwandfrei und lecker an den Tisch. Und auch, was wir bei anderen Gästen beobachten konnten, ob Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarrn, sah einfach nur köstlich aus.
Wer also, so wie wir, neben allerlei Sternefutterei auch mal Lust auf gute, ehrliche Wirtshausküche in trubeligem, aber hochsympathischen Ambiente hat, ist im „Xaver’s“ sehr gut aufgehoben.
Details
| Restaurant: | Xaver's |
| Adresse: | Rumfordstr. 35, 80469 München |
| Öffnungszeiten: | Montag - Mittwoch: 17.00 - 00.00 Uhr Donnerstag - Sonntag: 12.00 - 00.00 Uhr Küche bis 21.30 Uhr, Sonntag bis 21.00 Uhr |
| Website: | www.xaver-s.de/ |
Schlagworte
bürgerlich, München, Sebastian Wenz, Weinkarte, Wirtshaus, Xaver's
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