Rijnzicht, Doornenburg
Am 23. Mai 2026 in Niederlande | 370 Aufrufe
Im Laufe der letzten Jahre haben wir zahlreiche ausgezeichnete Restaurants in den Benelux-Ländern kennengelernt und die Kette an gastfreundlichen Adressen scheint nicht abzureißen. Dass viele davon für uns gut zu erreichen sind, weil sie knapp hinter der Grenze liegen, macht es natürlich noch lohnender. Mittlerweile gibt es so viele bemerkenswerte Restaurants, dass es uns immer schwerer fällt zu entscheiden, welches wir wiederbesuchen. Eines, das aber regelmäßig dazu gehört, ist das „Rijnzicht“, auch wenn der Weg an den Niederrhein mit gut zwei Stunden schon etwas länger ist. Dafür wird man, wie auch dieses Mal, bei schönstem Frühlingswetter auf der Terrasse mit einem enorm beruhigenden Blick auf einen Seitenarm des Rheins belohnt.
Seit unserem ersten Besuch vor fünf Jahren ist die Küche von Mike Cornelissen kontinuierlich besser bewertet worden. Neben dem Michelinstern, den man schon lange hält, hat der Gault Millau die Leistung jüngst auf 17,5 Punkte aufgewertet und zählt das Restaurant mittlerweile zu den 20 Besten des Landes.
Das Angebot hat man ausgeweitet. Neben dem Menü, das in fünf bis sieben Gängen (125€-149€) erhältlich ist, gibt es nun auch ein komplett vegetarisches Menü (115€-145€), dazu ein Viergang-Überraschungsmenü (85€) sowie die Möglichkeit, auch à la Carte zu essen.
Für uns soll es an diesem Mittag das Siebengang-Menü sein, das wie immer mit drei Snacks als Amuse Bouche beginnt.
Die erste Tartelette mit Steak Tatar und Sommertrüffel bietet vor allem ein sehr cremiges Mundgefühl. Der Trüffelgeschmack ist kaum wahrzunehmen, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass Sommertrüffel häufig nicht viel Aroma mitbringt.
Auch der zweite Fingerfood-Happen bietet viel cremiges, aber der Hühnerhautchip mit Thunfisch, Gurke und Kumquat ist deutlich vollmundiger und etwas frischer.
Die dritte Tartelette wird in einer tieferen Glasschale serviert und ist per se schon sehr fragil. Tunatatar, roter Curry und erneut Creme ergänzen sich gut, aber die zerbrechliche Kleinigkeit ohne Besteck unfallfrei zum Mund zu befördern, ist nahezu unmöglich. Und so zerbröselt mir alles in der Hand. So gut das schmeckt, sollte man dennoch dringend an der Eatability arbeiten.
Hübsch gearbeitet und geschmackvoll sind die Grüße allesamt.
Sehr gut gefällt mir die Brotpräsentation. Zum Sauerteigbrot gesellt sich ein vorzügliches mit Basilikumbutter gebackenes Brioche Feuilleté. Ausgezeichnet auch die Guernsey-Butter und die mit karamellisierten Zwiebeln aromatisierte Ziegenbutter. Angesichts der nahezu hochsommerlichen Temperaturen müssen wir uns allerdings etwas mit dem Verzehr beeilen, denn die Butter weicht dann doch zügig auf.
Das Menü startet mit einer relativ pur belassenen Jakobsmuschel auf einem Flan von Jabara, einer japanischen Zitrusfrucht. Dazu gibt es Miso- und Austerncreme sowie geeiste Perlen von Umeboshi und ein aus Algen erstellter Chip in Muschelform. Vor allem durch die Zitrusnoten ist dies ein gelungener, sehr frischer Auftakt.
Ungewöhnlich setzt Mike Cornelissen Taschenkrebs in Szene. Als Salat in Ochsenwurst gewickelt und mit Apfel und Aubergine als Creme und Chip belegt ist schon die puristische Präsentation ein Hingucker. Angegossen wird eine Sauce vom Pink Lady-Apfel mit Sanshopfefferöl, die eine deutliche Süße ins Spiel bringt. So ist dies eine originelle Kombination von Land und Meer, die aber ausgesprochen stimmig aufgeht. Sehr gut und überzeugend.
Nicht weniger kreativ geht es weiter. Steinbuttfilets, die mit Algen verbunden sind, werden begleitet von zweierlei Saucen. Linkerhand findet sich eine auf Basis von Bak Kuh Teh, einem malaysischen Eintopf mit Schweinerippchen. Rechterhand dazu eine schaumige Sauce von Ingwer und Five Spice-Gewürz. Getoppt wird das Ganze von Schweinekrusten. Aromatisch legt dieser Gang deutlich zu. Der feine Fisch gerät durch Röstnoten auch etwas kräftiger und die würzigen Saucen dazu machen viel Spaß.
Dass die Küche nicht noch einen draufsetzt, sondern jetzt doch wieder etwas zurückschaltet, tut der Menüdramaturgie gut. Gedämpftes Forellenfilet ist mit Fett vom Ibericoschwein lackiert, was für einen nussigen und üppigeren Geschmack sorgt. Die Scheibe Schinken setzt zwar einen kräftigen Akzent, aber ohne sich zu dominant in den Vordergrund zu spielen. Spargel, ein knuspriges Kartoffelröllchen für Textur, Crème Crue mit Forellenkaviar sowie eine Beurre Blanc mit Riesling ergänzen alles passend und eine üppige Nocke milden N25 Ossietrakaviars als Supplement unterstreicht den Gang mit feinen jodigen Noten. So ergibt sich ein zwar reichhaltiges und fülliges, aber dennoch elegantes Gericht mit einem schönen Texturspiel.
Ähnlich klassisch und elegant inszeniert Mike Cornelissen auch den Fleischgang. Der Lammrücken ist bedeckt von einer Matte, die kunstvoll mit einem Bärlauchmuster versehen ist. Das ist allerdings mehr für die Optik, was aber in Ordnung ist, um den feinen Fleischgeschmack nicht zu überdecken. Außerdem findet sich Bärlauchpesto als eine der Beilagen, dazu eine mit Pilz- und XO-Farce gefüllte Morchel, grüner Spargel sowie ein mit Erbsen und Minze bedecktes Stück Nacken, das 48 Stunden gegart wurde. Das kleine Karree hat einen hohen Fettanteil, aber dadurch auch ein nahezu schmelzendes, hocharomatisches Fleisch. Die Jus ist ebenfalls intensiv, zeigt einen wundervollen Glanz und ist schlicht perfekt. Dies ist ein eher traditionell gehaltener Hauptgang, der aber mit schönen Details und makelloser Zubereitung überzeugt.
Für das Pré-Dessert werden wir an die Bar gebeten, wo uns Mike und Carolien Cornelissen die Idee dahinter erläutern. In einem Skiurlaub kaufte man sich ein Parfum von Goldfield & Banks mit Noten von Ingwer, Bergamotte und Mandarine. Diese Aromen übersetzte man in einen Fingerfood-Snack als Marshmallow von Ingwer und Vanille, Eis von Jasmintee, getrockneter Mandarine und einen Chip von Bergamotte. Das ist gekonnt und toll umgesetzt und auf einem Eisblock mit Rijnzicht-Logo stilecht präsentiert.
Im eigentlichen Dessert spielt, wir sind schließlich mitten in der Saison, Erdbeere die Hauptrolle. Am Boden findet sich als Ring eine Mousse von Erdbeere und weißer Schokolade, darin ein Ragout sowie darauf eine Erdbeerganache. Ein Basilikumeis, Pistaziencrunch, Erdbeergel sowie eine ziemlich süße und etwas klebrige Zuckerplatte, in die ebenfalls Erdbeere eingearbeitet ist sowie ein Erdbeersud komplettiert das stimmige Arrangement. Separat gibt es noch ein Soufflé von weißer Schokolade, das recht kompakt ausfällt. Aber zusammen mit dem sehr fruchtigen Hauptteller, der eine schöne Deklination bietet, ist das sehr passend.
Zum Kaffee gönnen wir uns noch die Friandises in Form eines kleines Éclairs mit Mandelfüllung, einem Macaron, zweierlei Pralinen, einem Pâte de Fruit von Olive und dem Marshmallow von Douglastanne und Waldbeeren zum Selbergrillen. Vor allem den Marshmallow erinnere ich noch vom letzten Besuch. Geschmacklich finde ich diese weichen Dinger zwar immer etwas belanglos, aber die Show mit kleinem Tischgrill ist natürlich ein netter Effekt und Hingucker. Ansonsten sind die Süßigkeiten aber akkurat gearbeitet.
Einmal mehr war dies ein ausgezeichnetes Menü, das uns viel Spaß gemacht hat. Die Küche von Mike Cornelissen überrascht jedes Mal mit kreativen Ideen, technisch ausgezeichneter Ausführung, intensiven Aromen und bildschöner Präsentation. Die geht aber nicht auf Kosten des ausgefeilten Geschmacks und der Eleganz, die sich durch alle Gerichte zieht, die von den Köchen selbst an den Tisch gebracht und erläutert werden.
Carolien Cornelissen ist als Gastgeberin immer präsent und für den ein oder anderen Plausch zu haben. In ihrer Getränkebegleitung versteht sie es, auch im eher mittleren Preisniveau Weine zu finden, die gut zu den Gängen passen. Dabei schlägt sie einen Bogen von Italien über Frankreich und Spanien nach Kalifornien. Ebenso spannend macht sich auch die alkoholfreie Begleitung, für die ich mich entscheide. Hier kreiert die Küche individuell zu den Gerichten passende Mocktails, die mir auch bei früheren Besuchen schon ausgesprochen gefallen haben.
Nach gut vier Stunden, die wie immer sehr entspannt und genussvoll waren, machen wir uns auf den Heimweg, der uns auf einmal gar nicht mehr so weit vorkommt.
Details
| Restaurant: | Rijnzicht |
| Adresse: | Sterreschans 15, 6686 MS Doornenburg |
| Öffnungszeiten: | Dienstag + Mittwoch: ab 18.00 Uhr Donnerstag - Samstag: ab 12.00 Uhr und ab 18.00 Uhr Am letzten Sonntag des Monats: ab 12.00 Uhr und ab 18.00 Uhr Sonntag + Montag: Ruhetag |
| Website: | www.rijnzicht.nl/ |
Schlagworte
Alliance Gastronomique, Carolien Cornelissen, Gault Millau, kreativ, Michelin, Mike Cornelissen, Rijnzicht, saisonal
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