Carpe Diem Finest Fingerfood, Salzburg

Das "Carpe Diem" in Salzburg ist eine Institution. Vor vielen Jahren mit einem speziellen Fingerfood-Konzept gestartet, bei dem vor allem Waffelhörnchen, hier Cones genannt, in den Mittelpunkt gestellt wurden, hat sich das Haus am Ende der belebten Getreidegasse mittlerweile zu einem Allroundbetrieb entwickelt, das sowohl als Bar, Café, Lounge und im ersten Stock als Gourmetrestaurant mit Michelinstern fungiert. Für den Erstbesucher wie uns ist es nicht völlig klar, wo was angeboten wird und nachdem uns mittags vor Ort mitgeteilt wird, dass eine Reservierung für die Bar, wo wir das Cones-Angebot am ehesten vermuten, nicht möglich sei, kommen wir abends guten Mutes, um zum einen festzustellen, dass eben jene bereits sehr gut besucht ist und, was allerdings schwerer wiegt, im gesamten Barbereich munter geraucht wird. Eine Besonderheit, die man in Österreich durchaus noch häufiger antrifft, uns aber abschreckt, hier etwas einnehmen zu wollen.


Nun erklärt man uns, dass die Cones auch im Gourmetbereich im ersten Stock serviert werden und so machen wir es uns dort bequem. Das dort fällige Gedeck nehmen wir der Ruhe, des entspannteren Service und der zusätzlich gereichten Amuse Bouches wegen gern in Kauf.


Neben einer umfangreichen Cones- à la Carte-Auswahl sowie dem Gourmetprogramm wird auch ein 7 Gang Menü der Kleinigkeiten zu schlanken 59,50 Euro angeboten, in dem, so ist unser Verständnis, besagte Cones die Hauptrolle spielen. Also ist dies unsere Wahl.

Die Küche schickt einen ersten Gruß in Form einer eingelegten Garnele und Gurkenschaum. Zum Champagner ein netter erfrischender Appetitmacher.

Amuse Bouche #1
Amuse Bouche #1

Beim zweiten Gruß verlässt mich die Erinnerung leider komplett. In den Notizen steht etwas von einer wilden Mischung aus Thunfisch mit Blutwurstpaste, Misocreme und Ananaspulver. Das dazugehörige Bild gibt jedoch keinerlei Aufschluss, ob es das auch wirklich war, geschweige denn wie diese etwas bemühlt kreativ klingende Komposition geschmeckt hatte. Ich meine allerdings, dass es erstaunlicherweise nicht weh getan hatte.

Amuse Bouche #2
Amuse Bouche #2

Und dann folgt endlich das erste Cornet, klassisch gefüllt mit Rindertartar und Kresse und duchaus üppig portioniert. Da sich unter dem Tatar im Hörnchen noch ein Kartoffelpüree befindet, stellt sich die Frage, wie das in einer Weise zu essen ist, dass sich beide Komponenten miteinander verbinden können. Um es unfallfrei zu verspeisen, muss man eigentlich erst das Tatar befreien, hat dann aber nur noch das Püree, also nix mehr mit Kombi. Geschmeckt hat alles gut, aber erste Zweifel am Konzept kommen doch auf.

Beef Tatar mit Kartoffelpüree & Kresse im Sancho-Pfeffer-Cone
Beef Tatar mit Kartoffelpüree & Kresse im Sancho-Pfeffer-Cone

Beim Zweierlei vom Thunfisch löst sich das Verzehrproblem einfacher, denn das aus zwei Teilen bestehende Gericht wird auf einem Teller und mit Besteck serviert, so dass sich das Thunfischtartar zumindest leichter mit dem ganz ausgezeichneten Gurkenrisotto und der Sauerrahmmousse im Cone verbinden lässt, ohne den ganzen Tisch vollzukleckern. Der kurz angebratene Thunfisch an der Seite ist ordentlich gemacht, bleibt aber nicht länger in Erinnerung. Eindeutiger Star ist hier für mich das Risotto.

Zweierlei vom Thunfisch , Gurkenrisotto und Sauerrahmmousse im Curry-Cone
Zweierlei vom Thunfisch , Gurkenrisotto und Sauerrahmmousse im Curry-Cone

Ab nun werden alle weiteren Gänge waffelfrei und auf Tellern serviert. Wir sind nicht so traurig darum, denn so voll hat uns das Cones-Prinzip noch nicht überzeugt. Weniger was den Geschmack angeht, sondern mehr der sogenannten "Eatability" wegen.

Im folgenden kommt Black Cod, leicht abgefämmt in einem fein abgestimmten Sud aus Cipollazwiebeln. Etwas gelbe Paprika und Gnocci als Einlage ergänzen dieses sehr schöne Gericht, bei dem erfeulicherweise Zwiebeln, ein von mir sehr geschätztes und leider viel zu selten offensiv eingesetztes Gemüse, eine tragende Rolle spielen.

Black Cod, gelbe Paprika, Cipolla-Zwiebelsud & Gnocchi
Black Cod, gelbe Paprika, Cipolla-Zwiebelsud & Gnocchi

Es geht vegetarisch weiter und es folgt der vielleicht stärkste Gang des Abends. Petersilienwurzel mit deutlichem Röstton erhält durch Pfirsichspalten einen überraschend passenden fruchtigen Begleiter, während Purple Curryschaum einen deutlichen aromatischen Gegenpunkt setzt. Sehr gut!

Petersilienwurzel mit Pfirsich, Kapuzinerkresse & Purple Curryschaum
Petersilienwurzel mit Pfirsich, Kapuzinerkresse & Purple Curryschaum

Die Gänseleber kommt in zweierlei Version, wobei ich nicht mehr genau sagen kann, ob es neben der Panna Cotta eine Mousse oder ein Eis war, das sich auf dem Teller befand. Eingefasst war das mit Melone recht fruchtig. Der gepuffte Reis und der Milchchip gaben schöne Textur.

Gänseleber, Charentais Melone, Prosecco & Milchchip
Gänseleber, Charentais Melone, Prosecco & Milchchip

Im Hauptgang serviert die Küche ein kleines Rinderfilet auf Waldpilzrisotto. Da ich sowohl Pilze als auch Risotto liebe, stört mich diese Dopplung im Menü nicht. Die Kruste aus Heidelbeeren und Radiccho ist eindeutig zu weich und entfernt von einer tatsächlichen Kruste, aber der fruchtig-bittere Kontrast ist dennoch eine gute geschmackliche Ergänzung.

Wir sind bis hierher prima mit unserem Weißwein durchgekommen, aber der im Laufe des Abends immer lockerer gewordene Service lässt es sich nicht nehmen, uns aufs Haus zwei Gläser Rotwein zum Fleisch zu servieren. Sehr schöne Geste!

Kleines Rinderfilet mit Waldpilzrisotto, Heidelbeeren und Radicchiokruste
Kleines Rinderfilet mit Waldpilzrisotto, Heidelbeeren und Radicchiokruste

Das Dessert lässt dann noch einmal deutlich erkennen, dass unsere Gerichte aus einer Sterneküche kommen. Das Thai Mango Tartelette mit Topfen und Yuzu-Eis ist fein kombiniert und handwerklich mehr als einwandfrei. Ein schöner und erfrischender Abschluss eines Menüs, das so klein gar nicht war. Unser Sättigungsgrad ist jedenfalls zu diesem Zeitpunkt gut erreicht.

Thai-Mango-Tartlet, Topfen, Yuzu-Eis
Thai-Mango-Tartlet, Topfen, Yuzu-Eis

Das war ein sehr erfreulicher Abend. Das Menü der Kleinigkeiten war für uns an diesem Abend mehr als ausreichend und die Tatsache, dass die Cones nur in den ersten beiden Gängen vorkamen, war unterm Strich auch genau richtig. So haben wir eine Vorstellung vom Konzept bekommen, waren mit den klassischen Tellergerichten aber letztlich doch glücklicher.

Wir haben möglicherweise nicht die Michelin-besternte Küche von Franz Fuiko erlebt, aber doch eine, die in großen Teilen sehr anspruchsvoll und mit interessanten Kombinationen zu punkten wusste. Dass wir im ersten Stock den erstklassigen Service des Gourmetrestaurants erleben durften anstatt im Qualm der Bar zu sitzen, hat uns den Abend zusätzlich angenehm gestaltet.

Grundsätzlich bin ich immer erst mal skeptisch, wenn Restaurants Konzernen von wie auch immer gearteten Getränken gehören. Dass es in Salzburg mit Redbull und Carpe Diem derer gleich zwei gibt, ist schon verblüffend. Dem Essen und der Qualität hier allerdings ist dies – Gott sei Dank – nicht anzumerken.

Details

Restaurant: Carpe Diem Finest Fingerfood
Adresse: Getreidegasse 50, 5020 Salzburg
Öffnungszeiten: Täglich von 08.30 bis 24.00 Uhr geöffnet.

Das Restaurant im ersten Stock ist von Montag bis Samstag jeweils von 12.00 bis 14.00 Uhr und von 18.30 bis 22.00 Uhr geöffnet und am Sonntag geschlossen.
Website: www.carpediemfinestfingerfood.com

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