MENMO, Hamburg
Am 2. August 2026 in Deutschland | 190 Aufrufe | 1 Kommentar
Die Frage, wonach ich unsere Restaurantbesuche aussuche, ist nicht immer so leicht zu beantworten. Am einfachsten ist es mit den Restaurants, die wir immer wieder gerne besuchen und die regelmäßig, wenn auch mitunter in größeren zeitlichen Abständen, gesetzt sind. Dann sind da die Häuser, die auf meiner persönlichen Bucket-List stehen und solche, die aus anderen Gründen mein Interesse finden. Planen wir einen Urlaub oder Kurztrip muss das Ziel eines sein, das auch kulinarisch genug zu bieten hat. Und da bediene ich mich gerne der Empfehlungen diverser Guides. Und zum Schluss verfolge ich natürlich auch, was in anderen Blogs empfohlen wird. Da muss ich zwar nicht immer den Stil mögen, aber die fachliche Expertise erkenne ich an und so gibt es auch aus diesen Quellen spannende Entdeckungen.
Aus dieser Rubrik rührt auch unsere Reservierung im „Menmo“ in Hamburg her. Ein Besuch in Flensburg brachte es mit sich, dass wir auf dem Rückweg eine Übernachtung in der Hansestadt einplanten und da das Restaurant auch sonntags geöffnet ist, war die Wahl schnell gefallen. Erstaunlicherweise hat das „Menmo“ nicht nur sonntags, sondern tatsächlich an allen Tagen der Woche geöffnet. Im Gespräch mit Phuc Cao, der das Restaurant in einem schmucken Eckhaus in Winterhude zusammen mit Partnerin Uyen Nguyen führt, tut er das zum einen mit ihrer vietnamesischen Herkunft ab, in der viel Arbeit etwas Selbstverständliches ist. Und zum anderen betont er, dass er jung und fleißig sei. Dabei zuckt er mit den Schultern, als er selbst die Frage stellt, was er denn sonst tun solle. Man nimmt ihm diesen sympathischen Ehrgeiz ohne Zögern ab.
Auch wenn die überschaubare Karte aus acht Vorspeisen (10-24€), fünf Hauptgerichten (25-32€) und zwei Desserts (9€) an einigen Stellen vietnamesische Einflüsse erkennen lässt, ist doch schnell klar, dass es hier nicht um eine wie auch immer geartete asiatische Küche geht, sondern um einen ganz zeitgemäßen, modernen Stil, der eben auch mit vietnamesischen Akzenten, Zubereitungsarten und Zutaten arbeitet. In gewisser Weise erinnert mich das an einen Besuch im „De Cuijt“ in den Niederlanden, wo die Betreiber in ähnlicher Weise ihre koreanische Herkunft haben einfließen lassen.
Wie modern sich die Küche im „Menmo“ präsentiert, wird schon bei der ersten Vorspeise deutlich. Der Hamachi wird in zweierlei Form serviert. Im Hauptteller findet er sich als Sashimi, bedeckt von kleinen Scheiben von Mairübchen und mit einer transparenten Vinaigrette von Tomate und Holunder, die das Ganze federleicht und elegant umspielt. Ein Algencracker sorgt für etwas Crunch. Für sich genommen, wäre dies schon ein sehr befriedigendes und fein komponiertes Gericht. Eine deutliche aromatische Erweiterung erfährt es aber durch die beiden separat servierten Tartelettes mit grob geschnittenem Tatar vom Hamachi und Seetang. Das liefert eine kräftigere Note und komplettiert diesen Gang sehr gekonnt.
Mein Mann startet mit Tempura vom Austernpilz, begleitet von einer recht kräftigen Sauce auf Basis von Malzessig und einem Shisosorbet, das eine angenehme Zitrusfrische und gleichzeitig auch eine ganz feine Schärfe mitbringt. Zum hauchdünn ausgebackenen Pilz bringen diese Mitspieler ein schönes Textur- und Temperaturspiel mit. Ebenfalls sehr gut.
Weiter geht es mit jungen Erbsen, die über Holzkohle gegrillt wurden, begleitet von Eiskrautsalat, der frischen Knack liefert. Ich liebe den sehr und hatte den schon ewig nicht mehr auf dem Teller. Umso mehr freue ich mich darüber. Die Vinaigrette von Johannisbeerblättern hätte für meinen Geschmack etwas großzügiger portioniert sein können, denn ihre markante Säure kann sich so kaum entfalten. Dafür dient das sehr gute Joghurt-Eis nicht nur als Temperaturkontrast, sondern kann mit seiner Cremigkeit auch für eine gewisse Saucenergänzung sorgen. Kühle, Wärme, ganz klare Aromen ergänzen sich hier zu einem sehr eleganten Ganzen. Dass dafür gerade einmal 10 Euro aufgerufen werden, wagt man kaum zu erwähnen.
Auch die Lammspieße, vom Rücken und vom Bauch, wurden auf Holzkohle gegrillt, nachdem sie über Nacht geschmort wurden. Die würzige Glasur verleiht ihnen eine angenehme und aromatische Schärfe. Das Fladenbrot dazu ist extrem buttrig und blättrig, im sehr gut angemachten Salat finden sich einige Pickles, wovon es durchaus ein paar mehr hätten sein dürfen. Das Fladenbrot hätte ich persönlich nicht unbedingt benötigt, aber mein Teller war es eh nicht und meine bessere Hälfte war damit sehr zufrieden. Für mich war der Gang, vor allem aufgrund des sehr schmackhaften Fleisches, unterm Strich auch noch sehr gut.
Auf der Karte lachten uns noch einige andere Gerichte an, aber Phuc Cao rät uns angesichts der vorgesehenen Hauptgänge eher davon ab und empfiehlt uns, zumindest einen Fleischgang durch Fisch zu ersetzen. Das wird sich im Nachhinein als klug herausstellen, denn schon der Adlerfisch meines Mannes ist gut bemessen. Auf der Haut schön kross gebraten, bringt er festes, aber saftiges Fleisch mit. Unter dem Krustentierschaum finden sich knackig bissfeste Zucchinistücke und eine sehr würzige XO-Sauce. Lockerer Reis nimmt das perfekt auf und dient auch als neutralisierendes Element. Ein vermeintlich einfach wirkendes Gericht von erstaunlich geschmacklicher Tiefe.
Für mich soll es die Ente sein, denn die genießt hier bereits einen gewissen Kultstatus und wird auch als Signature Dish angekündigt. Die makellose Brust war zwei Wochen im Dry-Ager, wurde dann wunderbar glasiert und mit knuspriger Haut auf den Punkt gegart. Das Fleisch überzeugt mit einer dünnen Fettschicht und schönem Eigengeschmack. Auch hier beschränkt sich die Küche auf wenige Beilagen. Der wilde Brokkoli hat guten Biss, die Bergpfeffer-Sauce zeugt erneut von ausgezeichnetem Handwerk. Das ist im Übrigen auch dem separat servierten Kartoffel-Pavé zu attestieren. In bester französischer Tradition zubereitet, ist dies vermutlich das beste Kartoffel-Pavé, das ich bisher gegessen habe. Und über meinen eigenen Versuch, den ich seinerzeit noch leidlich gelungen fand, hülle ich ab sofort den Mantel des Schweigens.
In der Tat sind wir an diesem Punkt gut gesättigt, aber ohne Dessert wollen wir das Mahl nicht beenden. Beide Nachspeisen kommen relativ unspektakulär auf den Tisch. Zum einen gibt es einen cremigen baskischen Käsekuchen mit fruchtigem Litschi-Sorbet, das für Frische und eine gewisse Leichtigkeit sorgt.
Zum anderen, und ganz ähnlich präsentiert, bedient man die Schokoholics unter den Gästen mit einem warmen Brownie und nahezu flüssigem Kern. Dazu gibt es sehr gutes Salzkaramelleis.
So einfach beide Desserts angelegt sind, so offenkundig ist die akkurate Zubereitung und hervorragende Produktqualität. Mehr braucht es dann manchmal auch einfach nicht.
Dass alle übrigen Gerichte, die wir probiert haben, aufwändiger konzipiert sind und oft mehrteilig auf den Tisch kamen, macht den Anspruch deutlich, den man hier hat. Von der hervorragenden Produktqualität über die sehr durchdachten Kombinationen bis zur ausgesprochen ästhetischen Präsentation, erfüllt die Küche alles, was man von einem besternten Restaurant erwarten kann. Dass dem Michelin das „Menmo“ noch nicht einmal eine Erwähnung wert ist, ist dafür umso unverständlicher.
Dabei ist das sympathische Restaurant, in dem auch der Service ausgesprochen herzlich agiert, ein wunderbares Beispiel dafür, wie Casual Fine Dining funktionieren kann. Eine À la Carte-Auswahl ohne Menüzwang, kreative Küche mit ausgezeichneten Produkten zu Preisen, für die niemand einen Kredit aufnehmen muss und ein lockerer, aufmerksamer Service. Auch die Weinkarte bietet viele bezahlbare Flaschen, zwar von überwiegend einfacheren Qualitäten, die dafür von guten Produzenten.
Phuc Cao hat an diesem Abend nicht nur uns gefragt, wie wir auf das „Menmo“ aufmerksam geworden sind. Wir waren nicht die einzigen, die sich auf den Bericht des lokalen Foodbloggers beriefen. Und da auch ein stadt- und fernsehbekannter Koch an diesem Abend zu den Gästen zählte, dessen Crew hier auch schon geschlossen essen war, wie uns der Chef erzählte, bleibt abzuwarten, wie lange man quasi noch als Geheimtipp unterm Radar fliegt. Der neue Zuspruch sei ihm aber schon jetzt gegönnt.
Details
| Restaurant: | Menmo |
| Adresse: | Mühlenkamp 54, 22303 Hamburg |
| Öffnungszeiten: | Montag - Sonntag: 11.30 - 00.00 Uhr Kein Ruhetag |
| Website: | www.menmorestaurant.com |
Schlagworte
französisch, Fusion, Hamburg, kreativ, Menmo, Phuc Cao, Uyen Nguyen, vietnamesich
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Da hat Herr W. aus HH ja was angerichtet mit seiner euphorischen Berichterstattung. Aber sollte ich in HH sein, nehme ich deinen Bericht als Anlass für einen Besuch.