Folies Gourmandes, Lüttich
Am 9. Juni 2026 in Belgien | 197 Aufrufe | 1 Kommentar
Lüttich ist durchaus eine genussfreudige Stadt. An allen Ecken findet man Brasserien, das belgische Bier ist omnipräsent, die berühmten Lütticher Buletten ebenso und auch wenn das Wetter durchwachsen ist, sind die Außengastronomien gut besucht. An einem Dienstag allerdings ein einigermaßen anspruchsvolles Restaurant zu finden, gestaltet sich dann doch schwieriger als erwartet.
Das „Folies Gourmandes“, geführt von Philippe Burton, ist für den ersten Abend unsere Wahl. Der Michelin listet das Restaurant zwar nicht, aber der Gault Millau vergibt zumindest 13 Punkte. Die Karte ist recht übersichtlich, aber bietet dem Gast die Möglichkeit, sich sein Menü selbst zusammenzustellen. Drei Gänge liegen bei charmanten 58 Euro, vier Gänge bei 72 Euro, mit Käse statt Dessert sechs Euro mehr. Möchte man nur einzelne Gänge, kosten Vorspeisen 22 Euro, Hauptgerichte 30 Euro und Desserts 11 Euro. Mittags wird es bei einem speziellen Menü mit 26 bzw. 32 Euro für drei bzw. vier Gänge noch günstiger.
Bevor wir uns einmal quer durchs Programm probieren, grüßt die Küche mit einem Dreierlei aus Nudelsalat, Spargelsuppe und Panna Cotta. Während der Nudelsalat mit getrockneter Tomate und etwas Parmesan recht sparsam ausgestattet ist und zudem relativ gewürzarm, ist die Panna Cotta vom Basilikum deutlich besser, aber dafür hart am Salz. Die Suppe vom grünen Spargel ist hingegen völlig in Ordnung.
Mein Mann startet in sein Menü mit einem Rindertatar, das nicht zu intensiv angemacht ist, aber durchaus mit gutem Fleischgeschmack punktet. Darauf findet sich eine Scheibe vorbildlich gebratener Foie Gras und erneut getrocknete Tomate. Angegossen wird dann noch eine Jus, die einen Charakter von Bratensauce hat, die zwar gut zur Leber passt, die ich aber zum Tatar doch etwas befremdlich finde. So irritierend das anfangs wirkt, schmeckt das seltsamerweise doch ganz gut. Unterm Strich bleibt das aber eher eigenwillig und solide.
Für mich geht es mit Émincé von der Schneekrabbe los. Die ist sehr feinstückig mit einer Kräutermayonnaise angemacht, so dass es fast wie püriert scheint, was es sicherlich nicht ist. Der angekündigte Graved Lachs entpuppt sich als Räucherlachs, für den ich keine Wette annehmen würde, dass er hausgemacht ist. Darauf eine etwas eigenartige und undefinierbare Sauce und ein Miniklecks Kaviar. Etwas gelierte Zitrusvinaigrette, grüner Apfel, Radieschen und ein sehr trockener Brotchip runden dieses insgesamt etwas zusammenhanglose Ensemble ab, das mehr verspricht, als es halten kann.
Auch die folgende Rotbarbe aus dem Ofen kann mich nicht wirklich überzeugen. Meines Erachtens ist sie nicht gut durchgegart, was möglicherweise an der Zubereitungsart im Ofen liegt, die ich nicht optimal finde. Zudem fehlen dadurch auch Röstaromen völlig. Den Mohn auf dem Fisch finde ich seltsam, aber da man ihn eh nicht schmeckt, schadet er auch nicht. Die getrocknete Tomate scheint eine Lieblingszutat des Chefs zu sein und wird damit zu einer Art durchgehendem Thema. Der Selleriesalat ist einwandfrei, die Zitrus-Safranbutter alleine hätte mir gereicht, aber offenbar will die Küche mit Pesto und einer Mayonnaise demonstrieren, was sie alles kann. Hier wäre weniger wirklich mehr gewesen und bei akkurater Zubereitung hätte auch der Fisch besser glänzen können.
Ich bin da mit meinem Zwischengang entschieden zufriedener, denn das Kalbsbries ist sehr gut gebraten, außen leicht knusprig und innen angenehm weich. Dazu gibt es einen ordentlichen Canneloni, der mit einer Geflügelfarce gefüllt ist. Handwerklich ist die gut gemacht, hätte aber vielleicht etwas herzhafter gewürzt sein können. Die sehr gute und intensive Steinpilzsauce macht das aber definitiv wett. Eine deutliche Steigerung zu den vorherigen ziemlich durchwachsenen Gerichten.
Als ich den Hauptgang meiner besseren Hälfte sehe, muss ich erst mal schlucken, denn das Entrecôte ist von derart mächtiger Größe, dass ich Bedenken habe, wie das zu schaffen sein wird. Zumal obenauf noch Karotten und Selleriepüree und an der Seite ein auch nicht klein bemessener Quader Kartoffelgratin den Trumm begleiten. An der Zubereitung gibt es nichts zu beanstanden. Der Gargrad ist wie gewünscht getroffen, das Gratin ordentlich und die Sauce Bordelaise ausgezeichnet. Mit vereinten Kräften bewältigen wir das sehr gute Stück Fleisch.
Ich entscheide mich für das Frikassee von der Wachtel, das eigentlich kein Frikassee ist, sondern einfach nur ein sauber zerteiltes Fleisch. Das ist dafür sehr gut gebraten mit schönen Röstnoten. Eine Scheibe kräftigen Bauchspecks liefert einen deftigen Akzent und gibt der Sauce zusätzliche Tiefe. Das Kartoffelpüree dazu ist zwar etwas kompakt geraten, aber ansonsten gut. Gut gefällt mir auch der Spinatflan. Ein sehr zufriedenstellendes Gericht.
Bei den Desserts muss es nach diesen üppigen Gängen etwas Kaltes sein und so fällt die Wahl auf das Schokoladenparfait, das vielleicht einen Tick zu kalt ist, aber ansonsten gut gefällt. Auch die Crème Anglaise mit Pistazien ist gelungen, hätte allerdings etwas großzügiger portioniert sein dürfen. Crumble und der Keks auf dem Parfait sind ok, aber nicht zwingend erforderlich. Unterm Strich aber ein ordentlicher Nachtisch.
Nichts auszusetzen gibt es bei der Käseauswahl, die eine schöne Zusammenstellung von Weichkäse von der Kuh, Ziegenkäse, Morbier, Schweizer Tomme und einem irischen Blauschimmel präsentiert. Alle sind gut gereift und temperiert. Die Condiments dazu, darunter ein Olivenchutney, benötige ich dazu wie immer nicht wirklich, noch weniger die zwar selbst gebackenen, aber arg trockenen Brötchen.
So geht ein Abend zu Ende, der schwach begonnen hat, sich dann aber noch deutlich gesteigert hat. Dass Philippe Burton offenbar alleine in der Küche steht, lässt die ein oder andere Nachlässigkeit oder überambitionierte Zusammenstellung verzeihen. Den Gerichten, die traditionell französisch basiert sind, würde an mancher Stelle etwas Reduktion gut tun. Vor allem die Fleischgerichte, die genau das erfüllten, konnten überzeugen.
Das Preisniveau ist sehr attraktiv, was auch für die Weinkarte gilt. Und wenn man die richtigen Gerichte erwischt, ist das „Folies Gourmandes“ eine ganz gute Wahl.
Details
| Restaurant: | Folies Gourmandes |
| Adresse: | Rue des Clarisses 48, 4000 Lüttich |
| Öffnungszeiten: | Dienstag - Samstag: ab 12.00 Uhr und ab 19.00 Uhr Sonntag & Montag: Ruhetag |
| Website: | www.lesfoliesgourmandes.be/ |
Schlagworte
Folies Gourmandes, französisch, Gault Millau, klassisch, Lüttich, Philippe Burton
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Hmm, es scheint, die Küche fühlt sich in der klassischen Küche wohler als in etwas gehobeneren Regionen des fine dinings, wenn man die ersten Gänge mit den folgenden vergleicht. Bin gespannt wie es weiter geht.