The Jane, Antwerpen
Am 12. Februar 2026 in Belgien | 175 Aufrufe
Die Nachricht, dass Nick Bril mit dem „The Jane“ in eine neue Location umziehen würde, hatte die Fangemeinde, zu der auch ich mich zähle, natürlich überrascht. Nicht umsonst war das besondere Ambiente der bereits ikonischen Militärkapellle entscheidender Bestandteil des Gesamterlebnisses. So sehr natürlich nachvollziehbar ist, dass die monatlichen Grundkosten für ein derartiges Objekt enorm sind und Konsequenzen erfordern, ist das Bedauern über den Verlust dieses beeindruckenden Gesamtpakets nicht zu leugnen.
An seinem neuen Standort in einem aufstrebenden Wohn- und Geschäftsgebiet im hafennahen Eilandje präsentiert sich das neue „The Jane“ deutlich reduzierter in der Optik mit nur noch ca. 30 Plätzen, die überwiegend direkt um die nun offene Küche im Mittelraum angelegt sind. Dadurch ergibt sich ein viel direkterer Kontakt zwischen Chef und Gästen.
Den Apéritif und die ersten Snacks nimmt man jedoch, wie mittlerweile oft üblich, in einer vorgelagerten Lounge ein. Was bereits dort, wie auch bei der Begrüßung, deutlich wird, ist dass der Service wie immer mit ansteckender und sehr persönlicher Herzlichkeit agiert. Obwohl der letzte Besuch mittlerweile auch mehr als anderthalb Jahre zurück liegt, freut man sich, uns wiederzusehen. Ein uns unbekannter Mitarbeiter, der offenbar gebrieft ist, dass deutschsprachige Gäste kommen, begrüßt uns mit einem fröhlichen „Grüß Gott“. Und auch der typische eklektische Musikmix, der das „The Jane“ schon immer ausgezeichnet hat, stimmt uns auch hier bereits ein.
Als erster Gruß erreicht uns eine Tartelette mit Kürbis, Aal, Ponzu und eingekochten Algen. Das umreißt bereits im Kleinen die Philosophie, die Nick Brils Küche seit jeher ausmacht: lokale Zutaten mit weltläufigen, oft japanischen Aromen zu kombinieren. Hier gerät das insgesamt noch sehr mild und vor allem knusprig.
Der zweite Snack soll geschmacklich eher in den Mittelmeerraum und nach Spanien führen mit einem Olivenküchlein, Anchovis, Parmesan und einer Creme von Rucola. Auch dies bleibt eher zurückhaltend und für meinen Geschmack etwas zu teigig.
Bevor es in den eigentlichen Restaurantraum geht, folgt noch eine Blätterteigtartelette mit Creme von 36 Monate altem Comté, Holunderblüte und süßer Zwiebel. Das ist von wärmender, noch winterlicher Aromatik und aus der Abteilung Comfortfood.
Vor dem letzten, etwas größeren Amuse Bouche steht noch die Wahl des Menüumfangs an. Donnerstags und freitags wird ein reduziertes Lunchmenü angeboten (175€). Ansonsten liegt das Standardmenü mit sieben Gängen bei 275€, das mit wahlweise ein oder zwei Signature-Gerichten ergänzt werden kann (305€ / 345€). Die Weinbegleitung fällt mit 150€ für vier Gläser und 225€ für sechs Gläser relativ ambitioniert aus, so dass wir Flaschen aus der Weinkarte wählen.
Den Abschluss der Grüße stellt ein dünner, knuspriger Zylinder dar, der mit 12 Wochen trocken gereiftem Rind, Knochenmark und Miso gefüllt ist. Schwarzer Sesam sorgt für Knusper, die köstliche, säurebetonte Senfsauce dazu unterstützt den lokalen Charakter.
Das eigentliche Menü startet mit recht natürlich belassenem Saibling mit einem Salat aus Gurke, Radieschen und Kiwi mit einer Vinaigrette auf Basis von Cassis. Das gerät ziemlich frisch, aber eher mild, so dass dies ein zwar stimmiger, aber zarter Einstieg ins Menü ist.
Aromatisch legt die Küche mit dem nächsten Gang deutlich zu. Im Hauptteller findet sich Koshihikarireis mit nur minimal marinierter Garnele, Foie Gras und holländischem Wasabi. Die Proportionen sind hier sehr fein austariert und die Schärfe des Wasabi blitzt immer wieder hier und da auf. Auch die Vinaigrette von Ponzu und Sojasauce unterstützt den eher kräftigen Charakter. À part gibt es ein Chawanmushi mit Seeigel, Spinat, Pilzen und Trüffel. Da dieser auf der Microplane gerieben wird, geht für mich der Eigengeschmack etwas unter. Aber zusammen mit dem Sud, gezogen aus den Garnelenköpfen, ergibt sich ein relativ mildes Gesamtbild, das gut als Gegenpart zum Hauptteller funktioniert.
Als Signature-Dish folgt die Irish Mór-Auster, die wir in abgewandelter Form bereits von früheren Besuchen kennen. Brot-Miso und Balfégo-Thunfisch spielen auch hier wieder eine wichtige Rolle, aber die Proportionen zusammen mit Kürbiskerncrunch und einer stattlichen Nocke Ossietrakaviar sind deutlich verschoben, denn die Auster spielt, anders als in meiner Erinnerung, nicht die Hauptrolle. Auch der Sud, der in früheren Versionen auf Basis von Buttermilch war, ist hier einer öligeren Variante gewichen. Das macht das Gericht insgesamt deutlich fülliger, was mir aber gut gefällt, zumal der jodige Charakter immer noch deutlich erhalten bleibt.
Weiter geht es mit fünf Stunden gegartem Knollensellerie, der trotz der langen Zeit noch einen guten Biss aufweist. Dazu gibt es Krabben, Meeresschnecken, eine Hollandaise sowie einen Muschelsud. Dies ist eher wieder ein zarter, aber subtiler und eleganter Gang.
Im nächsten Gang spielt ein dänischer Kaisergranat von beeindruckender Größe die Hauptrolle. Auf dem Grill zubereitet bekommt er mit Chicoree sowie zweierlei Saucen kraftvolle Mitspieler. Eine Sauce auf Basis von geräucherter Butter mit Vin Jaune und Feigenblattöl sowie eine Krustentierjus unterstützen die Süße des Kaisergranats und machen dies zu einem hocharomatischen Gericht, das vor allem von den exzellenten Saucen lebt. Die werden grundsätzlich auch immer am Tisch belassen, was dazu führt, dass selten etwas davon zurück in die Küche findet.
Zwei Saucen begleiten auch die von einer Seite kräftig angebratene Jakobsmuschel. Eine Beurre Blanc mit Madeira sowie eine Trüffeljus sind für sich genommen schon köstlich, aber zusammen mit würzigem Crunch und großzügig auf die Muschel gehobeltem Trüffel ist das eine formidable Zubereitung, die ihre klassisch französische Basis nicht verleugnen kann.
Wie immer spielt Fleisch in Nick Brils Küche eine eher untergeordnete Rolle und findet vor allem im Hauptgang seinen Platz. Heute ist es Taube, die in Heu gereift wurde und wunderbar auf offenem Feuer gebraten wurde. Als Begleitung dienen kräftig angeröstete Kohlsprossen sowie Pastinakenpüree. Dazu passt auch die exzellente, reduzierte Sauce mit Kastanienessig. Separat gibt es ein Ragout vom Keulenfleisch und den Innereien mit Wirsing. Die Sauce hier ist mit Cognac abgeschmeckt und nicht weniger köstlich. Ein rundum gelungener, winterlicher Taubengang.
Nach diesem sehr herzhaften Gericht kommt das erste Dessert genau recht. Das Eis von Blutorangen mit Champagnergranité, Crumble von Lebkuchen und geeisten Blutorangensegmenten ist extrem erfrischend und leicht.
Üppiger wird es noch einmal mit dem abschließenden Dessert in Form eines Namelakas von Marcolini-Schokolade. Die Creme, angesiedelt zwischen Mousse und Ganache ist schon recht dominant und kann vom guten Topinambureis und dem Sud von Sanddorn nur bedingt abgepuffert werden. Vor allem letzterer hätte durchaus präsenter sein dürfen, um mit seiner Säure stärker dagegen halten zu können. Aber natürlich ist das in Summe immer noch sehr gut.
Die Patisserie schickt zum Kaffee noch einige gelungene Kleinigkeiten, darunter ein ganz formidables Eis, das aus Brotresten erstellt wurde mit Karamell von Muscovadozucker, ein Macaron, Praliné von Matcha und Himbeere sowie eine Tartelette von geröstetem Apfelkompott.
So geht nach guten vier Stunden ein Menü zuende, das nahtlos an die Leistung anknüpft, die wir aus dem früheren „The Jane“ gewohnt sind. Nick Bril lässt gekonnt Aromen aus der ganzen Welt in seine Gerichte einfließen, in denen aber oft regionale Produkte eine wichtige Rolle spielen. Die Zubereitungen sind immer noch sehr komplex, aber eindeutig auf harmonische Grundakkorde ausgelegt, seine Saucen meisterhaft und im wörtlichen Sinne zum Auslöffeln gut. Insofern hat sich nicht wirklich viel verändert.
Ob es tatsächlich so ist, wie Nick Bril uns erzählt, dass er nach mehr als 10 Jahren am alten Standort kreativ an seine Grenzen gekommen ist und sich vom Umzug auch eine Weiterentwicklung seiner Küche erwartet, wird zu beobachten sein. Die zentrale Küche inmitten des Gastraums mit offenem Feuer und der direkte Kontakt zum Gast scheinen ihn zumindest zu beflügeln.
Die Magie, die das alte „The Jane“ ausmachte, war die Kombination aus fabelhafter Küche, beeindruckendem Ambiente, großartigem Service und Musik. Das faszinierende Raumgefühl der historischen Kapelle ist einer sachlicheren Stilistik gewichen, die sich dennoch angenehm anfühlt. Alles andere ist geblieben. So gesehen könnte gelten: Same, same but different. Und damit können wir ganz prima leben.
Details
| Restaurant: | The Jane |
| Adresse: | Limastraat 5, 2000 Antwerpen |
| Öffnungszeiten: | Mittwoch: 19.00 - 19.30 Uhr Donnerstag - Samstag: 12.00 - 12.30 Uhr & 19.00 -19.30 Uhr Sonntag - Dienstag: Ruhetag |
| Website: | www.thejaneantwerp.com/ |
Schlagworte
2 Michelin Stars, Antwerpen, Gault Millau, kreativ, Nick Bril, Seafood, The Jane
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