YOSO, Andernach

Über Andernach wusste ich bisher nicht viel. Gar nichts eigentlich, außer, dass der Ort am Rhein liegt. Wenn man sich ein wenig einliest, erfährt man, dass die Stadt bereits mehr als 2000 Jahre alt ist und über den höchsten Kaltwasser-Geysir der Welt verfügt. Da wir aber vorhaben, die Stadt zum Mittagessen aufzusuchen, ist das nur von untergeordneter Bedeutung. Wichtiger ist, dass sich Andernach mittlerweile zu einem kleinen Mekka für Gourmets entwickelt.
Ein örtlicher Immobilieninvestor, der offenbar im Hintergrund bleiben will, baut die Kleinstadt kulinarisch gerade ordentlich um. Drei Köche wurden engagiert, zwei davon, Frank Seyfried im italienischen „Ai Pero“ und Sarah Henke im „Yoso“ haben im neuesten Michelin bereits einen Stern erkocht. Christian Eckhardt, Ehemann von Sarah Henke, der bisher in der Villa Rothschild in Königstein mit zwei Michelin Sternen und 18 Gault Millau Punkten ausgezeichnet war, hat vor kurzem im Hotel Purs sein Gourmetrestaurant eröffnet.

Unser Ziel an diesem Karfreitag ist mittags aber das „YOSO“ von Sarah Henke, die bereits auf Sylt einen Stern erkochte, als die A-Rosa-Hotels noch Gourmetambitionen hatten. Ihr Restaurant ist einfach, aber äußerst geschmackvoll eingerichtet.

Es gibt zwei Menüs und eine Sushiauswahl, aus der man sich sein Menü von 4 bis 7 Gängen (62€ - 92€) selbst zusammenstellen kann. Der Name „YOSO“ aus dem koreanischen bezeichnet die vier Elemente Luft, Feuer, Erde, Wasser, mit denen alle Gerichte gekennzeichnet sind.

Es sind an diesem Mittag nicht viele Gäste anwesend und mit unserer Bestellung machen wir uns in der Küche vermutlich nicht gerade viele Freunde, denn wir bestellen beide Menüs in 6 Gängen. Um es vorweg zu nehmen: sowohl Küche als auch Service kriegen das souverän hin.

Als Amuse Bouche gibt es eine Linsensuppe mit guter pointierter Schärfe und ein Stück Lachs auf recht trockenem Quinoa und mit Wasabicreme.

Amuse Bouche: Linsensuppe / Lachs & Quinoa
Amuse Bouche: Linsensuppe / Lachs & Quinoa

Für meinen Mann beginnt das Menü mit einem dünn aufgeschnittenen marinierten Rindfleisch, das durch seine übrigen Zutaten, Spinat, Buchenpilze und Sesam, sowie eine entsprechende Würzung eine angenehme Schärfe mitbekommt.

Beef roh mariniert / Sesam / Spinat / Pilze
Beef roh mariniert / Sesam / Spinat / Pilze

Ich beginne mit Thunfisch, der mit Thunfischtartar gefüllt ist. Avocadocreme und schwarzer Rettich sorgen für texturelle und geschmackliche Abwechslung. Alles zusammen macht sich sehr fein und elegant.

Thunfisch mariniert / Avocado / schwarzer Rettich
Thunfisch mariniert / Avocado / schwarzer Rettich

Der folgende Lachs kommt optisch zwar sehr schön daher, aber das Gericht ist nach wenigen Bissen schnell verstanden. Ingwer liefert etwas Schärfe, Lachskaviar ist mehr für die Optik da. Das bleibt leider etwas eindimensional.

Lachs & Senf-Miso / Sashimi / Keta-Kaviar
Lachs & Senf-Miso / Sashimi / Keta-Kaviar

Spannender und abwechslungsreicher präsentiert sich da der gegrillte Oktopus mit Kopfsalat, der sich vor allem in diversen Röllchen verbirgt. Auch hier ist wieder eine schöne Schärfe spürbar und es wird bereits in diesem Gang klar, dass Schärfe sich sehr unterschiedlich darstellen kann. Punktsieg für den Tintenfisch.

Calamaretti gebraten / Sellerie / Koriander
Calamaretti gebraten / Sellerie / Koriander

Sehr schön geht es auf dem Teller meines Mannes weiter. Die Makrele ist eingefasst von Roter Bete und Kürbis. Eine sehr würzige, dunkle Sauce unterstreicht den erdigen Charakter, bei dem der Makrelengeschmack sehr deutlich heraus gearbeitet wird.

Makrele Bulgogi Art / Kopfsalat / Perlzwiebel
Makrele Bulgogi Art / Kopfsalat / Perlzwiebel

Der Eismeersaibling als stattliches Stück ist mit Aubergine und Kräuterseitling sowie einer säuerlichen Sauce aus Kaviar und Zitrone (nicht mehr ganz sicher) eher mild abgeschmeckt. In jedem Fall ein schöner Gang.

Eismeersaibling eingelegt / Kräuterseitling / Aubergine
Eismeersaibling eingelegt / Kräuterseitling / Aubergine

Es folgen die Fleischgänge. Ich starte mit einem sous-vide gegarten Flanksteak, das überraschend fest gerät, obwohl es perfekt rosa ist. Süßkartoffelchips und Shii Take-Pilze sind passende Beilagen und erneut legt sich eine dezente Schärfe über den Teller. Gefällt mir sehr gut.

Flanksteak sous-vide / Pak Choi / Schwarzer Knoblauch
Flanksteak sous-vide / Pak Choi / Schwarzer Knoblauch

Der Schweinebauch auf der anderen Tischseite ist nur von verhältnismäßig mildem Kimchi begleitet. Das ist würzig und nur moderat scharf. Kimchi haben wir auch schon deutlich prägnanter erlebt. Insgesamt ist das nicht sonderlich komplex, aber unkompliziert und lecker. Und darauf kommt es ja an.

Schweinebauch sous-vide / Kimchi / Apfel
Schweinebauch sous-vide / Kimchi / Apfel

Verhältnismäßig unasiatisch gestaltet sich der Hauptgang meines Mannes. Das Schaufelstück vom Rind ist wunderbar geschmort. Einige Stücke Aal unterstreichen den etwas rauchigen Charakter, Perlgraupen und Rauchmalto machen das Ganze ziemlich rund und fast schon traditionell. Das ist Comfort Food vom Feinsten.

Rind & Aal / geschmortes / Shii Take
Rind & Aal / geschmortes / Shii Take

Ich hingegen hadere ein wenig mit meinem Teller, auf dem Filets vom Schwarzfederhuhn in Purple Curry Sauce liegen. Das Fleisch ist kräftig gesalzen, die Sauce ist lecker, allerdings wässert das Fleisch nach, was sich unschön macht. Topinambur kommt als Püree, was mir zunehmend weniger gefällt. Das kann eben auch recht schnell leicht schleimig geraten. Dazu gibt es noch Chicoree und so schön es auch alles aussieht – es wirkt eben doch etwas unausgewogen.

Schwarzfederhuhn / Topinambur / Purple Curry
Schwarzfederhuhn / Topinambur / Purple Curry

Sehr schön gerät das Pré-Dessert, ein Shizosorbet mit Ingwerschaum und Mangocreme, was schön zwischen Schärfe und Fruchtigkeit changiert.

Pré-Dessert: Shizo-Sorbet, Ingwerschaum, Mangocreme
Pré-Dessert: Shizo-Sorbet, Ingwerschaum, Mangocreme

Für meinen Mann wird es mit einem Karotten-Ingwer-Kuchen sowie einer Variation von Karotten recht elegant und fein.

Karotte & Pandan / Ananas / Ingwer / Eis
Karotte & Pandan / Ananas / Ingwer / Eis

Ich buche mein Dessert dafür als etwas männlicher ab. Denn eine Panna Cotta mit 5 Spice Gewürz und eine Variation von Mandarine spielen noch einmal mit einer leichten Schärfe und hinterlassen dadurch einen prägnanteren Eindruck.

5 Spice & Mandarine / Panna Cotta / Schokolade / Sesam
5 Spice & Mandarine / Panna Cotta / Schokolade / Sesam

Das war ein wunderbares Essen, das sehr abwechslungsreich alle Sinne angesprochen hat. Ich fand das Konzept der verschiedenen Elemente zwar zunächst etwas konstruiert, aber in der Rückbetrachtung ist die Küche dem sehr gerecht geworden. Faszinierend war für mich die sehr unterschiedliche Ausprägung von Schärfe in verschiedenen Gängen. Und dass nahezu jeder Gang sehr abwechslungs- und detailreich gestaltet war, zeugt auch davon, dass man sich hier viele Gedanken über passende und überraschende Kombinationen macht. In den allermeisten Fällen geht das auch wunderbar auf.

Petits Fours
Petits Fours

Wir haben es jedenfalls genossen und beim abschließenden kleinen Petits Four studieren wir bereits für die Zukunft die Möglichkeiten, auch abends noch mit dem Zug nach Köln zurück zu fahren. Möglich ist das, aber vielleicht bietet sich Andernach demnächst ja auch für einen längeren Aufenthalt an, wenn es sich tatsächlich zum Gourmetmekka am Rhein mausert.

Details

Restaurant: YOSO
Adresse: Schafbachstraße 14, 56626 Andernach
Öffnungszeiten: Dienstag - Samstag 12 - 14 Uhr & 18 - 21 Uhr
Sonntag & Montag Ruhetag
Website: www.yoso-restaurant.de

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